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An der Beziehung arbeiten - Mit Fokus am Partner bleiben

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Das Wichtigste in Kürze

  1. Scheinbar attraktivere Alternativen wirken oft deshalb so reizvoll, weil sie aus der Distanz betrachtet werden.

  2. Echte Nähe bedeutet auch, die Unterschiede, Macken und ungeschönten Seiten des anderen wahrzunehmen.

  3. Wer Beziehung nur kurzfristig denkt, investiert oft weniger in Verbindung, Pflege und gemeinsame Zukunft.

  4. Nähe entsteht eher durch persönliche Gespräche als durch Gespräche über Organisatorisches und das Außen.

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Vielleicht kennst du das: du und dein Partner ihr seid gerade eher mangelnd begeistert von einander, du bist ein wenig unzufrieden in der Beziehung und die Versuchung ist groß, dich durch Dating-Apps und Single-Plattformen ein bisschen abzulenken? Motto: Nur mal schauen „was es da noch so (besseres) gibt“ und vielleicht nur ein bisschen chatten?

Achtung! Auf der anderen Seite sieht das Gras leicht grüner aus. Doch fest steht, Gras wächst dort grüner, wo es bewässert wird

In Zeiten von Tinder & Co. erleben wir einen täuschenden Effekt, der ähnlich einer optischen Illusion wirkt: Wenn Gesichter weiter entfernt sind, erscheinen sie weicher und makelloser und sehen dadurch attraktiver aus. Jeder von uns, auch du wirkst mit Abstand attraktiver. Um Ecken und Kanten, Falten und Poren wahrzunehmen, müssen wir uns näher kommen. Das kann sowohl wortwörtlich als auch metaphorisch verstanden werden.

In einer Studie fanden Dan Ariely und Kollegen heraus, warum mehr Nähe und damit Wissen über die andere Person zu weniger Anziehung führen kann. Die Studie lief mit mehreren hundert Personen in drei Durchgängen ab. Das Resultat der Forschung: Eine Person wird durch das allererste Wissen über sie, attraktiver und eher gemocht. Es wird vermutet, dass dies daran liegt, dass noch Raum für Unsicherheit vorhanden ist, in den viel hinein interpretiert werden kann. Eigene Wünsche und Beweise für Ähnlichkeiten mit dem Gegenüber werden leichter gefunden oder interpretiert. Mit der Zeit, werden die Unterschiedlichkeiten aufgedeckt und das gegenseitige Mögen und die Anziehung kann schwinden. Es ist schwieriger eine uns bekannte Person auf ein überhöhtes Podest zu stellen. Zusammengefasst lässt sich sagen: “je weniger ich den Anderen kenne, desto leichter fällt es mir ihn zu mögen”

Das Problem mit dem Kennenlernen ist - irgendwann kennt man sich

Sobald wir ein geliebtes Gegenüber besser kennen lernen, bemerken wir: Der Andere ist in manchen Dingen tatsächlich völlig anders. Solange du jemanden noch nicht kennst, kennst du auch nicht seine unangenehmen Seiten; oder weißt wie es ist mit seinen Macken und Unterschiedlichkeiten zu leben. Im Instagram und Tinder Jargon gesprochen, ist eine intime Beziehung #nofilter. Anders als die perfekt in Szene gesetzten und retuschierten online Avatare die im web inklusive passendem Hashtag geteilt werden, begegnen wir uns im echten Leben erschreckend menschlich und filterlos.

Genau darin besteht die Herausforderung: Deine unretuschierte Beziehung muss konstant mit retuschierten und gefilterten Bildern konkurrieren, sofern wir diesem Muster nicht bewusst entgegenwirken. Unsere echten Partner müssen tagtäglich gegen eine Armee von künstlich geschönten Übermenschen ankämpfen, mit denen wir sie vergleichen.

Tipps vom Beziehungscoach: Mach das Gedankenexperiment – Deine Beziehung ist wie deine Wohnung

Stell dir vor du hast eine Wohnung und jeden Tag entscheidest du neu, ob du einen weiteren Tag in dieser Wohnung leben möchtest. Umgekehrt kann sich auch dein Vermieter jeden Tag neu für oder gegen dich entscheiden.

Nun stell dir folgende Fragen:

  • Wie viel würdest du in diese Wohnung investieren?
  • Würdest du das Loch in der Wand verputzen, Bilder aufhängen, Dekoration kaufen, sauber-machen?
  • Wenn dein Verbleib in dieser Wohnung derart unsicher wäre, wenn dich nichts an dieser Wohnung hält, wäre es dann nicht ein leichtes, einfach zu wechseln?

Sobald wir anfangen in einem solch kurzen Zeithorizont zu denken, sind wir bereit nur einen Bruchteil für unsere Beziehung zu tun.

An Beziehung arbeiten: 6 konkrete Tipps, wie du dich auf deinen Partner fokussierst

  1. Erstelle eine Liste mit positiven Eigenschaften deines Partners, Überraschungen die dir bereitet wurden, eure verbindenden Erlebnisse – liste alles auf was dich gut fühlen lässt
  2. Betreibe Achtsamkeitsübungen wie Meditation und im Moment sein, um in die Dankbarkeit gegenüber deinem Partner zu kommen - ruf dir all die Dinge und kleinen Momente in Erinnerung für die du dankbar sein könntest.
  3. Demystifiziere potentielle Verführungen, indem du sie dir realistisch, ungeschminkt, im Alltag, verschlafen, oder schlecht gelaunt vorstellst
  4. Schaffe bewusst Raum in deiner Beziehung für Gefühle von Vermissen, für gemeinsame neue Erlebnisse, Abenteuer und verbindende Erfahrungen
  5. Denke darüber nach, wie es wäre, wenn du mit deinem Partner für ein Leben lang durch Höhen und Tiefen zusammen bleiben könntest – und ihn dadurch noch mehr lieben gelernt hättest.
  6. Erzähle in Gesprächen von dir und dem was dich bewegt. Frage nach, was deinen Partner beschäftigt, wovon er träumt oder was ihm persönlich durch den Kopf geht. Je länger Paare zusammen sind desto mehr neigen sie dazu alles im Außen, anstatt persönliches zu besprechen. Gespräche über den neuen Handyvertrag und was die Anderen tun, erzeugen wenig Nähe!

An der Beziehung arbeiten - verbrenne die Boote

Im dritten Jahrhundert vor Christus setzte der chinesische General Xiang Yu seine Armee über den Jangtse, um gegen die Truppen der Qin-Dynastie anzutreten. Während seine Mannschaft schlief, verbrannte er alle Boote. Am nächsten Tag erklärte er seiner Truppe: „Jetzt könnt ihr den Fokus nicht mehr auf die Flucht richten, sondern müsst euch vollen Herzens eurem Sieg und der gemeinsamen Mission widmen.“ Indem General Xiang Yu seiner Mannschaft die Möglichkeit zur Flucht nahm, lenkte er ihren Fokus auf das Einzige, was zählte: das gemeinsame Gewinnen.

Studien: Michael Norton, Jeana Frost and Dan Ariely (2007), "Less is More: The Lure of Ambiguity, or Why Familiarity Breeds Contempt". Journal of Personality and Social Psychology. Vol. 92, 97-105.

Wenn aus dem inneren Vergleichen schon Distanz geworden ist, kann Beziehung retten bedeuten, den Fokus wieder bewusst auf das zu legen, was zwischen euch wachsen soll; Alltagsrituale in Beziehung helfen dabei, diese Entscheidung nicht nur als Vorsatz, sondern im gemeinsamen Alltag spürbar zu machen.

Nächster Schritt

Wieder bewusster in Beziehung gehen

Wenn ihr merkt, dass Vergleiche, Distanz oder Alltagsgespräche eure Nähe schwächen, kann ein klärendes Gespräch helfen, den Fokus wieder auf eure Verbindung zu richten.

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Häufige Fragen

Warum wirken andere Menschen manchmal attraktiver als der eigene Partner?

Der Artikel beschreibt, dass Distanz idealisieren kann. Wer jemanden kaum kennt, sieht leichter das Glatte und Reizvolle, während in einer vertrauten Beziehung auch Ecken, Kanten und Unterschiede sichtbar werden.

Was ist die Herausforderung in einer langfristigen Beziehung?

In einer vertrauten Beziehung begegnen sich beide Menschen weniger gefiltert. Genau darin liegt die Aufgabe: nicht ständig mit idealisierten Bildern zu vergleichen, sondern die reale Beziehung bewusst zu pflegen.

Wie kann ich wieder mehr Fokus auf meinen Partner richten?

Ein konkreter Schritt ist, den Blick aktiv auf das Verbindende zu lenken: positive Eigenschaften, gemeinsame Erlebnisse, Dankbarkeit und neue Erfahrungen, die wieder Nähe schaffen.

Welche Gespräche schaffen laut Artikel mehr Nähe?

Nähe entsteht eher, wenn Partner von sich selbst erzählen und einander nach inneren Themen fragen: was sie bewegt, beschäftigt oder wovon sie träumen.