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Monogamie oder offene Beziehung – Ist Monogamie einfach nicht mehr in?

Marienkäfer bei der Paarung

In meiner Tätigkeit als Beziehungscoach häufen sich die Fragen zum Thema „Monogamie – offene Beziehung – ja oder nein?“ Erfahrungsgemäß streben die meisten Paare immer noch monogame Beziehungen  an und bleibt die Monogamie von allen nicht funktionierenden Beziehungsformen immer noch die beliebteste. Hier der Versuch einer Entscheidungshilfe

N eulich war ich im Fitnessstudio und trainierte im versteckten Bauchraum, als mich eine junge Frau ansprach. Sie wollte von mir wissen, ob offene Beziehungen der heutigen Zeit nicht viel mehr entsprechen würden und ob ich es denn nicht auch so sehe, dass es eigentlich den Druck von Beziehungen nehmen würde, wenn jeder mit jedem frei Sex haben könnte. Es dauerte nicht lange und auch andere fanden weit mehr Gefallen an unserem Gespräch als an den Trainingsgeräten.

Interessant waren die unterschiedlichen Meinungen und die damit verbundene leidenschaftliche Vertretung diverser Ansichten. Manche meinten, dass der Anspruch an Monogamie purer Egoismus sei und unserem Zeitgeist nicht entsprechen würde.

Andere schwangen die Evolutionskeule und verbrüderten sich mit ihren Vorfahren vor 100.000 Jahren. Immerhin war damals sexuelle Vielfalt für unser Überleben notwendig.

Außerdem sei Sex mit demselben Partner auf Dauer langweilig, meinten wieder andere, gefolgt vom ewigen Klassiker solcher Diskussionen: “Wer will schon jeden Tag Gulasch essen? oder “Affären zu haben, kann eine Beziehung stimulieren und beleben.”

Monogamie und Moral

Andere wiederum fragten sich, ob es moralisch vertretbar sei, wechselnde Geschlechtspartner zu haben und sprachen sich für monogame und treue Beziehungen aus. Auch wenn dies manchmal schwer falle, wie sie selbst zugeben mussten.

Der Evolution tut Untreue nicht weh

Eines steht fest: Evolution hin oder her, der einzige Grund, warum solche Diskussionen vermehrt auftauchen, rührt aus der Hoffnungslosigkeit vieler Beziehungen her.

Die meisten Menschen haben verlernt, an die große Liebe zu glauben und suchen sich für ihre vermeintlich unlösbare Situation einen neuen Beziehungsstatus: offen.

Was aber genau bedeutet eine offene Beziehung für die Liebe? Wie genau definiert man das Wort “offen”, übertragen auf den Alltag zweier Liebenden?

Ein Versuch mit Affären bzw. ohne Monogamie auszukommen…

Sie … “Hi Schatz, na, spät kommst du heute heim! Was war denn los bei dir? Hab dich am Nachmittag versucht zu erreichen!”

Er … “Du nix, ich hab die Nachbarin gevögelt. Ich hatte ein Problem damit zu telefonieren, während sie mir ….”

Sie … “Ach so, na da bin ich jetzt aber erleichtert! Hauptsache es geht dir gut und du bist jetzt da! Hast du Hunger?”

Er … “Du nein, ich hab schon was gegessen, der Sex war total anstrengend, wir haben uns anschließend eine Pizza bestellt.”

Sie … “Na dann, macht auch nix, ess ich halt allein! Morgen treff ich mich übrigens mit meinem Arbeitskollegen, kann länger dauern, wenn du weißt, was ich mein ….”

Er … “Das ist aber gegen die Regel! Wir haben ausgemacht, nur mit Leuten, die wir nie wieder sehen!”

Sie … “Na da red der Richtige, die Nachbarin ist ja auch nicht gerade aus der Welt, oder?”

Er … “Aber das ist doch total was anderes! Aber komm her, lass uns nicht drüber streiten. Hauptsache jeder von uns kann seine Freiheit genießen und wir sagen uns immer die Wahrheit!”

Sie … “Stimmt, geh dich duschen, dann kuscheln wir uns auf der Couch zusammen und schauen Dancing Stars….”

Hmmm… ich bin nicht sicher, ob das so ohne jede Eifersucht klappt…

Nahezu jeder Mensch kennt Beziehungsprobleme und weiß, wie weh es tut, verletzt zu werden. Ich frage mich, ob eine offene Beziehung mit wechselnden Affären beider Partner wirklich der Weisheit letzter Schluss ist…

Monogamie allein ist der Liebe viel zu wenig

Die meisten Menschen führen keine glückliche Beziehung. Stimmt. Die meisten Menschen aber sind auch übergewichtig, haben immer zu wenig Geld oder sind in ihrem Beruf frustriert. Wenn du lebst, wie die meisten leben, wirst du auch haben, was die meisten haben. So gesehen wirken die Argumente derer, die es nicht schaffen, monogam zu leben, weit weniger attraktiv, als es die Idee der offenen Beziehung vortäuscht.

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Nicht monogam und trotzdem glücklich?

Immer wieder gibt es Menschen, die mindestens ein Pärchen zitieren können, das eine offene Beziehung führt und angeblich glücklich ist, weil sie sich mit dieser Situation arrangieren konnten. Warum auch soll es diese nicht geben? Ausnahmen bestätigen die Regel, und trotzdem stellt sich mir die Frage, ob wirklich jemand mit deren Lebensweise tauschen möchte.

Es stellte sich heraus, dass die Dame aus dem Fitnessstudio gerade mit ihrem Partner über eine offene Beziehung und das Thema “Monogamie” diskutiert hat. Er wollte eine offene Beziehung, sie dachte – ihm zuliebe – darüber nach. In ihren Augen sah ich, wie sehr sein Wunsch sie eigentlich verletzt hat, doch tapfer versuchte sie die Vor- und Nachteile abzuwiegen und Verständnis aufzubringen. Sie wollte auch die positiven Seiten der neuen Beziehungsform anerkennen.

Liebe, so wie sie dir gefällt

Die Wahrheit ist: Jemand, der monogam leben will und seinen Partner nicht mit anderen Menschen teilen möchte, kann auf Dauer in einer offenen Beziehung nicht glücklich werden. Gefühle lassen sich nicht weg argumentieren. Wie soll sich ein Mensch in einer Beziehung wohlfühlen, die eigentlich nicht seinen Vorstellungen entspricht? Und abgesehen davon: Wer will schon mit jemandem zusammenleben, der einen Kompromiss eingeht und entgegen dem lebt, wie er es eigentlich möchte.

Schauspielerei hat in einer intimen Paarbeziehung keinen Platz und sorgt über kurz oder lang für Frustrationen und Verletzungen. Du kannst nicht auf Dauer einem anderen zuliebe ein anderer sein!

Die Basis jeder glücklichen Beziehung

Geteilte Intimität zwischen zwei Menschen beruht auf Vertrauen und Ehrlichkeit. Sobald andere daran teilhaben, stirbt ein Teil dieses Grundvertrauens. Was übrig bleibt, kann funktionieren. Als Arrangement, nicht als Liebe. In jenen Belangen, die eine echte Liebesbeziehung und intime Partnerschaft auf Augenhöhe ausmachen, gibt es meiner Erfahrung nach keine Alternative zur Ehrlichkeit. Lebensabschnittspartner, Zweckehen, Freundschaften mit Sex, Wohngemeinschaften, Tauschhandelspartner etc. hingegen kommen möglicherweise mit weit weniger aus.

Umfrageergebnisse und Studien zur Monogamie

Studien zufolge wünschen sich Männer und Frauen gleichermaßen eine erfüllte monogame Partnerschaft mit einem Menschen. Die Idee, vom geliebten Anderen nie genug zu bekommen und verliebt bis ans gemeinsame Ende der Tage Händchen haltend durchs Leben zu spazieren, erwärmt unser Herz. Doch irgendwann geschieht der Abgleich mit der Realität und die Ernüchterung setzt ein…

Zusammenfassung

Ja, es gibt einige wenige offene Beziehungen, die funktionieren. Es gibt aber auch glückliche Paare, die monogam leben – und nach 30 Jahren Ehe immer noch vor Glück strahlen. Beide Formen sind selten, doch mal ganz ehrlich: Zu welcher Gruppe wollen Sie wirklich gehören?

Apropos Liebesleben verbessern

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Beziehung retten / Beziehung verbessern / Eifersucht

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Profilbild von Dominik Borde
Dominik Borde, MSc (geb. 1971) ist einer der führenden Beziehungs-Coaches Europas und Gründer des Unternehmens Sozialdynamik mit Sitz in Wien. Der durch die International Coach Federation (ICF) zertifizierte Trainer und sein Team bieten Coaching- und Trainingsleistungen für Einzelpersonen und Paare, sowie – speziell für Führungskräfte entwickelte – Programme „Leadership 4.0“, „High Performance Coaching“ und „Executive Coaching“ an. In seiner Arbeit verwendet Borde unter anderem die von ihm entwickelte „360° Methode“ und das Konzept der „Sozialdynamik“, um die Eigenverantwortung des Einzelnen zu stärken und die Kommunikation innerhalb von Gruppen zu harmonisieren. Borde ist Autor zahlreicher Fachbücher und Videos zum Thema Beziehungsgestaltung und wird regelmäßig von internationalen Medien als Experte hinzugezogen.

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