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Wie der Schönheits- und Jugendwahn Beziehungen zerstört

Wie der Schönheitswahn Beziehungen zerstört

Perfektionsansprüche den eigenen Körper betreffend, sind die neuzeitliche Form der Selbstgeißelung: Immer jung, schön und perfekt aussehen zu müssen, lässt zunehmend mehr Menschen minderwertig fühlen. Die durchaus ernstzunehmenden Folgen sind soziale Hemmungen, Ängste, Depressionen, Essstörungen und nicht zuletzt Probleme in der Partnerschaft. Hier erfährst du, welche Denk- und Verhaltensweisen garantiert Selbstzweifel auslösen, wie du dir eine gesunde Einstellung zu deinem Körper bewahren und dem Schönheitswahn entkommen kannst.

M al ehrlich, inwieweit bist du mit deinem Aussehen zufrieden? Kannst du in den Spiegel sehen und aus voller Überzeugung sagen: “Ich fühle mich attraktiv und bin schön genug, genauso, wie ich bin!“? Falls nicht, bist du keineswegs allein. Das eigene Spiegelbild bedeutet bereits für die überwiegende Mehrheit der Menschen hierzulande eher Qual anstatt Freude.

Woher kommen unsere Idealbilder und der Schönheitswahn?

Unsere Schönheitsideale werden größtenteils durch Medien und Werbung geprägt. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass wir als schön empfinden, was uns als schön angepriesen bzw. verkauft und immer wieder als schön vor Augen geführt wird. Würden wir also beispielsweise Frauen mit besonders kleinem Busen und Männer mit großem Bierbauch ins Schaufenster stellen, oder wären unsere Helden in den Medien eher klein und schmächtig, würden wir das mit der Zeit tatsächlich als erstrebenswert und besonders schön empfinden.

Minderwertigkeitskomplexe als Milliardengeschäft

Fakt ist, ausgerechnet all jene, die Milliarden mit unserer Unzufriedenheit verdienen (Diätindustrie, Pharmakonzerne, Modemacher, Kosmetikbranche, Werbegurus, Models und andere Stars, Lifestylemagazine, Schönheitschirurgen usw.),  bestimmen, welche Regeln für den Wert Schönheit gelten sollen. Sie sagen uns was schön ist – und was nicht.

Wären vor allem Frauen selbstbewusster, hätten in kurzer Zeit ganze Industriezweige ausgedient. Und ob wir es nun glauben wollen oder nicht – Werbung wirkt! Sehr gut sogar! So lässt es sich auch erklären, warum laut Studien etwa 90 Prozent (!) der Frauen – und eine stetig wachsende Anzahl von Männern – mit ihrem Aussehen unzufrieden sind und beim Betrachten ihres Körpers Unbehagen empfinden.

Künstliche Schönheit in der Werbung

Wer mit sich selbst unzufrieden ist, kauft. Damit möglichst wenige mit ihrem Aussehen zufrieden sind, legt die Werbung die Messlatte gerne außerhalb jeglicher menschlicher Reichweite. Kaum ein Model, das sich nicht bereits mehrfach für ihr Äußeres unters Messer gelegt hätte. Doch damit nicht genug: Selbst noch so schöne Models werden weiter künstlich auf Perfektion getrimmt, da das Ergebnis unzähliger Stunden Make-up und Photoshop garantiert Unsicherheit und Unzufriedenheit beim Betrachter auslösen soll. Die Coverfotos der Mode- und Lifestylemagazine sind also in keinster Weise eine Abbildung der Realität, viele der dort dargestellten Schönheiten würden wir im realen Leben nicht wiedererkennen! Es ist praktisch unmöglich so auszusehen, egal wie hart wir auch dafür schuften mögen.

Schönheit zählt vor geistiger und körperlicher Gesundheit

Der Sucht, einem bestimmten Ideal zu entsprechen, wird alles andere untergeordnet, die gesundheitlichen Risiken von Diätpillen, Fatburnern, Steroiden, Hungerkuren bis hin zu OPs in Kauf genommen. Hauptsache man sieht gut aus. Wie weit der Wahn nach ewiger Jugend und perfektem Aussehen schon fortgeschritten ist, bringt der spanische Nobelpreisträger Drautio Varella treffend auf den Punkt:

“In der heutigen Welt wird fünfmal mehr in Medikamente für die männliche Potenz und Silikon für Frauen investiert als für die Heilung von Alzheimerpatienten. Daraus folgernd haben wir in ein paar Jahren viele alte Frauen mit großen Titten und alte Männer mit hartem Penis, nur keiner von denen kann sich mehr daran erinnern, wozu das gut ist.”

Doch nicht nur Erwachsene hassen sich für jede Falte, schämen sich für ihre Alterserscheinungen und leiden unter “zu vielen“ oder “zu wenig“ Rundungen. Auch immer mehr Jugendliche, ja sogar Kinder im Volkschulalter, werden Opfer ihrer Perfektionsansprüche.

7 -jährige Topmodels – WTF

Die Auswüchse des Schönheitswahns auf Minderjährige wurden mir erst jüngst bei einem Einkauf im Supermarkt bewusst. Ein kleines, blasses, rothaariges Mädchen blättert – während sie auf ihre Mama wartet – in einem “Model-Magazin“. Der äußeren Aufmachung nach ist das Heft eindeutig auf Mädchen im frühen Volksschulalter zugeschnitten. Dort finden sich dann Fitnesstipps, um den 7-jährigen Körper in Form zu bringen, eine Schablone, auf der ein „perfektes“ Gesicht dargestellt ist und Partytipps, damit sie ihren “Traumboy“ nicht verpasst. Als die Kleine sich nach dem Durchblättern dieser fragwürdigen Lektüre mit ihrer Mama an der Kasse anstellt, fragt sie unsicher: “Mami, bin ich hässlich?“ Da kommen mir als Vater von 3 Töchtern fast die Tränen…

Schönheitswahn garantiert – Vergleiche dich möglichst oft mit anderen

Das menschliche Gehirn ist darauf programmiert, permanent Vergleiche anzustellen. Der Unterschied zwischen Menschen, die selbstbewusst sind und sich wohl in ihrer Haut fühlen, und solchen, die sich selbst nicht leiden können, liegt in der Art der Vergleiche.

Menschen mit hohem Selbstwert vergleichen ihre eigene Entwicklung und achten vermehrt auf das, was sie können und welche Vorzüge sie haben. Menschen mit niedrigem Selbstwert vergleichen sich permanent mit anderen und achten vorrangig darauf, was sie nicht können und welche Makel sie haben.

Ein nahezu garantierter Weg, sich rundum schlecht zu fühlen, betrifft das Surfen in sozialen Netzwerken wie Facebook. Glaubt man den dort vorherrschenden Statusmeldungen, leben wir umgeben von schlanken und super durchtrainierten Sportskanonen, glücklichen Schönheitsqueens, reichen Superstars und heiß begehrten Dauerurlaubern. Abgesehen von ein paar faden Normalos und Dauerloosern, die nix zu posten haben, außer ihrer Videospiele und dem, was ihnen die Mama gerade gekocht hat, ist FB eine Parade der Eitelkeiten. Beautiful happy people, die scheinbar immer alles auf die Reihe bekommen. Kaum passt was nicht, hat auch schon jemand einen schlauen Spruch parat, für alles gibt es schließlich Tipps – und morgen wird das Wetter schön!

Parade der Eitelkeiten – Selbstdarstellung als Lebensinhalt

Die tägliche Dosis Selbstdarstellung und Rampenlicht stresst natürlich und macht unzufrieden, denn gut ist noch lange nicht gut genug. Nur wer mit den meisten “Gefällt mir“ den Tag beendet, gewinnt. Wer nicht ausreichend gefällt, hat sich zu wenig bemüht oder ist minderwertig, lautet das fragwürdige Motto.

Um also nach außen hin möglichst perfekt zu wirken, pimpen wir unseren sozialen Avatar so gut wir können. Vieles wird zurechtgerückt, überhöht dargestellt und gekonnt in Szene gesetzt. Ein Duckface aufsetzen und bloß keinen Makel zeigen, den die “Freunde“ im Netz womöglich bemängeln könnten. Wenn wundert es da noch, wenn immer mehr Menschen mit ihrer nackten Wahrheit unzufrieden sind. Denn egal wie viele “Gefällt mir“ wir auch bekommen, die Zustimmung erhält der gepimpte Onlineavatar, der Mensch dahinter fühlt sich leer.

Beziehungskiller – Schönheitswahn

Wer sich “nicht schön genug“ und /oder mangelhaft im Vergleich mit seinen Mitmenschen fühlt, meidet den Kontakt zur Außenwelt und kommuniziert ungern mit anderen. Beispielsweise Klienten und Klientinnen die eifersüchtig sind, berichten mir im Coaching Gespräch häufig von der Angst: ihr Partner könnte beim gemeinsamen Ausgehen jemandem begegnen der attraktiver ist. Deshalb scheuen Eifersüchtige soziale Veranstaltungen und mimen Müdigkeit, gesundheitliche Probleme oder ähnliches, um das “Risiko“ auszuschließen, der Partner könnte womöglich auf jemand attraktiveren treffen. Frauen und Männer die mit dem eigenen Aussehen unzufrieden sind, vermeiden es aufzufallen, melden sich weniger zu Wort, nützen soziale Gelegenheiten nicht – und versäumen dadurch jede Menge Chancen.

Mein Rat: Solltest du oder jemand den du kennst von derartigen Selbstzweifeln betroffen sein, unternimm etwas dagegen, wenn nötig auch mit professioneller Hilfe!

Wie du dem Schönheits- und Jugendwahn entkommst

Niemand kann dir ein gutes Gefühl über dich selber geben – außer du selbst! Egal ob es darum geht, dich allgemein “gut genug“ oder speziell dein Aussehen betreffend, wohl zu fühlen. Menschen, die unsicher sind und sich darauf konzentrierten, was mit ihnen nicht stimmt, können auch durchaus ernstgemeinte Komplimente nicht annehmen. Positive Äußerungen prallen an ihnen als Lügenmärchen ab und werden als unehrliches “Honig ums Maul schmieren“ abgetan.

Aus Liebe zum Partner Selbstliebe üben

Nur wer sich selbst gut leiden kann, glaubt auch einem anderen! Immer wieder treffe ich in meiner Praxis auf Menschen, die dem Partner einfach nicht glauben können, dass dieser sie attraktiv und anziehend findet. Egal was gesagt und getan wird, um dies zu beweisen, jedes Kompliment wird mit Misstrauen gestraft und mehrfach hinterfragt. Solange, bis dieser irgendwann frustriert aufgibt. Eifersucht, Misstrauen, sexuelle Hemmungen und andere Paarprobleme, sie alle gehen häufig auf das Konto überhöhter Idealvorstellungen und irrealer Erwartungen an das eigene Aussehen!

Du musst dir von dir selbst nicht alles gefallen lassen – Bleib fair in deinem Urteil

Die beste Möglichkeit, dich depressiv und unwohl in deiner Haut zu fühlen ist: Konzentriere dich ständig nur auf dich selbst und darauf, was du nicht hast.

Fest steht, jeder Mensch hat etwas an sich, das schön ist, und es gibt immer etwas an uns, dass außergewöhnlich ist, etwas, mit dem wir uns vom Durchschnitt abheben. Vielleicht ist es die Art und Weise wie du dich bewegst, vielleicht deine Hände oder wie du gestikulierst, deine Augenpartie, deine Ohrläppchen, deine genialen Zehen, dein Haaransatz, deine Knie oder vielleicht die Art und Weise wie du lächelst?

Halte dir vor Augen, dass du aus sehr vielen Einzelteilen bestehst, dein Körper ist so vieles mehr, als nur jene Stellen, die dir an ihm nicht gefallen!

Du bist nicht der/ die Schönste im ganzen Land, na und

Den perfekten Körper gibt es nicht und selbst wenn, ist dieser nur von kurzer Dauer.  Er zählt wohl zu den vergänglichsten Dingen, an die wir uns im Leben klammern können. Früher oder später muss auch jedes Supermodel und jeder Traumprinz von seiner Schönheit Abschied nehmen. Je früher du dir das bewusst machst, desto besser.

Fest steht auch, es wird immer einen Menschen geben, der eines oder mehrere Merkmale hat, die schöner sind, und es wird auch immer Menschen geben, die dich um etwas an dir beneiden werden.

Je mehr wir unsere Unvollkommenheiten annehmen, je mehr wir dazu stehen, nicht perfekt zu sein, desto eher werden solche Eigenheiten als persönliches Markenzeichen angesehen.

Man denke nur an all die Hollywoodstars und Berühmtheiten, die trotz einer beispielsweise zu großen Nase, eines überdimensionalen Gesäßes oder anderer Abweichungen von der gängigen Norm geliebt, begehrt und gefeiert werden.

Übung:

Du bist schön, fühle dich auch so

Betrachte dich bewusst liebevoll im Spiegel und stelle dir vor, du wärst ein Unikat, ein einzigartiges Kunstwerk. Schau dich genau an und richte deinen Fokus bewusst auf all das, was du schön finden könntest – wenn du wolltest. Sei dankbar für all diese Merkmale an dir, indem du diese Teile ganz besonders beachtest und bewusst machst, dass nichts davon selbstverständlich ist.

Dann blicke auch auf jenen Körperteile und Stellen, mit denen du dich noch nicht versöhnt hast. Manches lässt sich mit Liebe pflegen und darf verbessert werden. Kein Mensch muss 100 kg Übergewicht mit sich herumschleppen, aber jedes Kilo darf gut behandelt werden. Darum sag auch zu jenen Teilen, mit denen du noch nicht Frieden geschlossen hast „Danke!“, denn sie machen dich zu dem wunderbaren und einzigartigen Menschen, der du bist.

Deinen Körper nicht zu mögen, macht ihn weder schlanker noch schöner, deinen Körper abzulehnen wird dich nicht soweit bringen, wie ihn zu lieben.

Vielleicht fällt es dir schwer, dich bei dieser Übung selbst ernst zu nehmen. Vielleicht denkst du: “Das ist Schwachsinn, warum sollte ich mir etwas vormachen? Ich bin nun mal nicht schön.“ Werde dir bewusst darüber, dass immer, wenn du dich hässlich oder unzulänglich empfindest, du in deinem Denken nicht in Balance bist. Denn wenn du schon all deine körperlichen Nachteile sehen willst, bleib fair zu dir und schau auch auf all deine Vorzüge.

Und bedenke immer:

Charme ist der unsichtbare Teil der Schönheit, ohne den niemand wirklich schön sein kann.“ Sophia Loren

Apropos Schönheitsideale

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Eifersucht / Kommunikation / Partner finden / Selbstbewusstsein

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Profilbild von Dominik Borde
Dominik Borde, MSc (geb. 1971) ist einer der führenden Beziehungs-Coaches Europas und Gründer des Unternehmens Sozialdynamik mit Sitz in Wien. Der durch die International Coach Federation (ICF) zertifizierte Trainer und sein Team bieten Coaching- und Trainingsleistungen für Einzelpersonen und Paare, sowie – speziell für Führungskräfte entwickelte – Programme „Leadership 4.0“, „High Performance Coaching“ und „Executive Coaching“ an. In seiner Arbeit verwendet Borde unter anderem die von ihm entwickelte „360° Methode“ und das Konzept der „Sozialdynamik“, um die Eigenverantwortung des Einzelnen zu stärken und die Kommunikation innerhalb von Gruppen zu harmonisieren. Borde ist Autor zahlreicher Fachbücher und Videos zum Thema Beziehungsgestaltung und wird regelmäßig von internationalen Medien als Experte hinzugezogen.

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