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Trennungswelle nach der Corona-Krise? Welchen Paaren die Trennung droht

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Das Wichtigste in Kürze

  1. Krisen können sichtbar machen, welche Konflikte in einer Beziehung schon länger ungelöst sind.

  2. Besonders belastet sind Beziehungen, in denen Verantwortung einseitig zugeschoben wird und Nähe schwer möglich ist.

  3. Eine Partnerschaft hat eher eine Chance, wenn beide aus Liebe handeln und nicht nur aus Angst bleiben.

  4. Wenn Trennung unvermeidbar wird, hilft ein verständnisvoller Blick auf die gemeinsame Geschichte, besonders bei gemeinsamen Kindern.

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Die Corona-Pandemie hat vielen Paarbeziehungen geschadet. Welchen Paaren die Trennung droht – und wie sich eine angeschlagene Beziehung noch retten lässt.

Die Corona-Krise hat viele von uns an die Grenzen unserer Belastbarkeit geführt - und darüber hinaus. Die Angst vor dem Virus, die Einschränkung unseres Soziallebens, die Sorgen um unsere Arbeitsplätze, die  Belastung unserer Kinder durch immer wiederkehrende Lockdowns, all das geht nicht spurlos an uns vorbei und hat unseren Beziehungen oft sehr geschadet. Warum nun für viele Paare eine Trennung anstehen könnte, erklärt Beziehungscoach Dominik Borde:

Beziehungen werden entweder B wie besser oder B wie beendet, da wirkt die Krise wie ein Brandbeschleuniger. Jede Krise macht ungelöste Konflikte besonders deutlich, denn wenn wir Angst haben und in Bedrängnis sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir uns nicht von unserer besten Seite zeigen. Jetzt gerade haben viele Menschen unterschiedliche Ängste und sind ziemlich in Bedrängnis.

Hinzu kommt, dass durch die vermehrte Zeit zu zweit, Paare, die sich im Alltag bisher aus dem Weg gehen konnten, jetzt gezwungen waren, sich zu begegnen. Konflikte und Streits bis hin zu Fällen häuslicher Gewalt sind deutlich mehr geworden. Viele haben nach der Zeit der Lockdowns dadurch mehr Gewissheit – sie wollen lieber gehen als weiterkämpfen.

Ein weiterer Aspekt ist der, dass die starke Einschränkung unserer Freiheit durch die Corona Pandemie vielen von uns bewusst gemacht hat, dass das Leben nicht endlos ist und wir vielleicht nicht mehr ewig die Möglichkeiten dazu haben werden, all die Lebensträume zu realisieren, die wir bisher immer wieder aufgeschoben haben.

Diese Erkenntnis bringt viele Menschen dazu, endlich umzusetzen, was sie schon lange tun wollten.

Welche Paare sind besonders gefährdet, nach der Corona-Krise auseinander zu gehen?

Besonders stark gefährdet für Trennungen sind Paarbeziehungen, in denen die Partner dazu neigen, die Schuld und die Verantwortung für nicht gut laufende Prozesse in der Beziehung auf den Partner zu schieben. Ebenfalls besonders gefährdet sind Partner, die bereits in ihrer Herkunftsfamilie wenig Rückhalt oder keine Vorbilder dafür hatten, wie man die eigenen Emotionen managt und Beziehungen kreiert, die man liebt. Solche Menschen haben unbewusste Blockaden und Angst, sich zu öffnen. Sie tun sich schwer, eigene Emotionen zu managen oder sind oft nicht fähig, echte Nähe und Intimität aufzubauen.

Kann eine Krise wie diese Pandemie die Paare auch zusammenschweißen? 

Eine Krise oder ein gemeinsamer Feind kann einem Paar beibringen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und zusammen zu stehen. Wichtig dabei ist, auf gegenseitige Ängste bewusst Rücksicht zu nehmen, große Entscheidungen gemeinsam zu treffen, einander zu unterstützen und sich auch unabhängig vom Partner mal eine Auszeit und Pausen von großen Herausforderungen zu gönnen.

  • Paare, die schon vor Corona gute Lösungsstrategien im Umgang mit Konflikten und Unterschiedlichkeiten hatten, und Paare, die grundsätzlich ihre Zeit gerne miteinander verbracht haben, haben ihre Beziehung tendenziell vertieft und die Zeit für gemeinsame Aktivitäten und Austausch genutzt.

  • Paare hingegen, die schon vor Corona wenig Resilienz im Umgang mit Stress aufgebaut hatten und bei denen die große Liebe schon seit Jahren nicht mehr spürbar war, haben sich eher entfernt und innerlich voneinander getrennt.

Wann kann es sich lohnen, sich für die Partnerschaft zu engagieren?

Der einzige Grund, warum wir in einer Beziehung bleiben sollten, ist aus Liebe und niemals aus Angst. Die üblichsten Ängste sind: die falsche Entscheidung zu treffen, gemeinsame Kinder, die Angst alleine zu bleiben und häufig auch finanzielle Sorgen. Solche Ängste haben durchaus ihre Berechtigung, doch letztlich wird alles, was wir in einer Beziehung aus Angst tun oder vermeiden, nur noch schlimmer.

Eine Trennung empfehle ich, wenn es in der Beziehung nichts mehr zu entdecken gibt, wenn kein Wachstum möglich ist und es keinen Sinn mehr macht, weil die Liebe als Mann und Frau erloschen ist.

Fest steht, die meisten Paare scheitern an gegenseitigen Missverständnissen und hinderlichen Beziehungsmustern aus der Herkunftsfamilie, die jeder für sich in die Beziehung mitgebracht hat. Sehr viele tauschen nach der Trennung zwar die Partner aus, aber nehmen ihre Themen mit und wiederholen so die Probleme in der nächsten Beziehung.

Niemand bereut später, sein Bestes gegeben zu haben. Daher empfehle ich unbedingt, sich bei der Entscheidung für oder gegen eine Trennung von einem Experten helfen zu lassen, der Klarheit schafft und hilft, den eigenen Anteil zu erkennen und zu verhindern, dass wir die gleichen Fehler wieder machen, indem wir die gleichen Muster in folgenden Beziehungen wiederholen.

Was man tun kann, um eine Partnerschaft möglichst wiederzubeleben?

  • Erinnern Sie sich wieder mehr an das, was sie ursprünglich als Paar zusammengeführt hat, lange bevor sie nur noch Ratenzahler, Aufzuchtgemeinschaft für Jungen oder Zimmergenossen waren.

  • Nehmen Sie sich ausreichend Zeit füreinander. Handy weg, Fernseher aus, Kinder beschäftigen und gemeinsam zehn Minuten einfach liegen, durchatmen und die Stille nebeneinander genießen. Nähe und Intimität brauchen Zeit und innere Ruhe, denn nur im besten Zustand sind wir in der Lage, füreinander dankbar zu sein und uns offen zu begegnen. Machen Sie sich immer wieder bewusst: Die größten Geschenke, die sie Ihrem Partner machen können, sind Aufmerksamkeit und Zeit.
  • Erinnern Sie sich zurück an den Anfang der Beziehung. Wie viel Freude hat es Ihnen da noch gemacht, Ihren Partner zu verwöhnen, ihn glücklich zu machen, ihm zuzuhören und ihn strahlen zu sehen? Geben Sie sich gegenseitig genau das.

  • Sprechen Sie bewusst nicht über Themen, die Sie in Ihrem Alltag schon nicht lösen können, etwa die Kinder, das Geld und den Job, sondern über sich, über gegenseitige Wünsche und Träume, Pläne, die Sie verbinden, und all das, was Ihnen jenseits von Alltagspflichten ursprünglich als Paar wichtig war.

  • Nörgeln, Bemängeln und Kritik am Partner in jeder Form sind kein Aphrodisiakum, sondern Gift für die Beziehung. Wenn Sie also schon länger etwas auf dem Herzen haben, das die Nähe zu Ihrem Partner verhindert, besprechen Sie das unbedingt so offen und ehrlich, wie es nur geht. Alles andere macht keinen Sinn. Aber bitte am besten schon lange bevor die Beziehung nur noch am seidenen Faden hängt oder, wie leider in der Praxis sehr häufig, innerlich bereits die Koffer gepackt sind.

Und falls alles nichts mehr nützt: Wie trennt man sich möglichst vernünftig, also ohne bleibende Schäden?

Ein guter Leitsatz ist: Wir trennen uns erst, wenn wir uns wieder gut verstehen. Damit ist gemeint, dass zum Beispiel bei gemeinsamen Kindern Sie sich darüber einig sind, wie Sie trotz der Trennung gemeinsam Eltern sein können – zum Wohle der Kinder, die es verdient haben, beide Eltern gleich lieben zu dürfen. Oder wenn Sie verstanden haben, warum es tatsächlich besser ist, die Beziehung aufzulösen und es liebevoller zu uns selbst und dem Partner ist, neue Wege zu gehen.

Rosenkriege und anhaltende Konflikte oder chronischer Liebeskummer über den Verlust eines Partners entstehen, wenn wir uns für das Wertvollste, das wir zu geben haben, unsere Lebenszeit und Aufmerksamkeit, nicht gesehen und wertgeschätzt fühlen. Finden Sie mit der Zeit einen Weg, liebevoll auf Ihre gemeinsame Geschichte zu blicken, denn eine nicht verarbeitete Beziehung ist eine Hypothek auf die nächste.

Was sind mögliche Folgen, wenn man mit einem Partner zusammen bleibt, obwohl man besser gehen sollte?

Aus Angst zusammen zu bleiben, bedeutet, ein ängstliches Leben führen, weiter sinnlos darunter zu leiden oder sich irgendwann an ein lieb- und lustloses Leben zu gewöhnen, das letztlich beiden Partnern immer mehr Energie und Lebensfreude rauben wird. Kinder und das Umfeld leiden darunter und häufig irgendwann auch die Karriere und die Gesundheit.

Nächster Schritt

Klarheit vor der Entscheidung

Wenn Beziehung oder Trennung im Raum stehen, hilft ein ruhiger Blick auf Liebe, Angst, Verantwortung und die nächsten Schritte.

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Häufige Fragen

Warum können Krisen Paare an einen Trennungspunkt bringen?

Weil Druck, Angst und eingeschränkter Alltag bestehende Konflikte deutlicher machen. Was vorher verdrängt oder vermieden werden konnte, wird in einer Krise oft unmittelbarer spürbar.

Welche Beziehungen sind nach einer Krise besonders gefährdet?

Gefährdet sind vor allem Beziehungen, in denen Schuld und Verantwortung einseitig beim anderen gesucht werden und beide wenig Zugang zu eigenen Emotionen, Nähe oder Intimität finden.

Kann eine Krise eine Beziehung auch stärken?

Ja, wenn Paare bewusst Rücksicht aufeinander nehmen, Entscheidungen gemeinsam tragen, sich unterstützen und auch Pausen vom Druck zulassen.

Wann lohnt es sich, noch um die Beziehung zu kämpfen?

Es lohnt sich dort, wo Liebe, Entwicklung und ein ehrlicher gemeinsamer Blick auf die eigenen Anteile noch möglich sind. Angst allein ist laut Artikel kein tragfähiger Grund zu bleiben.

Was kann helfen, Nähe in einer angeschlagenen Beziehung wieder entstehen zu lassen?

Der Artikel empfiehlt Zeit, Aufmerksamkeit, Ruhe und Gespräche über Wünsche, Träume und das, was das Paar ursprünglich verbunden hat.