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Schädliche Beziehung: Psychopathen und Narzissten erkennen – Profilerin verrät Merkmale

Psychopathen und Narzissten erkennen

Dominik: Hallo! Herzlich willkommen! Heute wieder da mit der Patricia Staniek. Ihres Zeichens: Kriminologin, Profilerin, Buchautorin und jemand, der ganz genau hinschaut und erkennt, wer du bist. Und dazu gleich auch die Frage: Woran erkenne ich einen Narzissten oder Psychopathen? Weil, ich meine, du lernst jemand Neuen kennen und in letzter Konsequenz kann sich derjenige quasi als Hackenmörder entpuppen. Und ich habe einmal gelesen: Ungefähr 1% aller Menschen sind Psychopathen; auch, glaube ich, in der Unternehmensführung findet man oft die. Woran erkenn´ ich so jemanden? Wie kann ich erkennen, ob ein Partner möglicherweise «gefährlich» werden könnte? Das geht ja dann auch – zum Beispiel, alleinerziehende Mutter hat Kinder… Worauf muss ich achten? Kann der gefährlich werden für meine Kinder und so? Also, wirklich teilweise auch ernste Geschichten erzählen. Was kannst du dazu sagen? Woran erkenne ich den?

Patricia: Also, es gibt noch den Narzissten und es gibt den Psychopathen und manchmal gibt es narzisstische Psychopathen. Also eine Koppelung davon. Die häufigsten Persönlichkeitstypen oder Anteile der Persönlichkeit sind eben Narzissmus, Psychopathie, Soziopathie. Dann kommt noch dazu Borderline, Bipolare, Funktion- und, und, und. Also da gibt’s ganz, ganz viel, was so eine Persönlichkeit ausmacht oder was so eine Persönlichkeit stört. Aber wir reden heute über Psychopathen und wir reden über Narzissten. Narzissten sind in jedem Unternehmen zu finden. Psychopaten vermutlich auch. Vermutlich auch, weil es immer eine…

Dominik: Wirklich in jedem?

Patricia: Bitte?

Dominik: Wirklich in jedem? Stimmt das? Wo ich sage, in einem von hundert oder?

Patricia: Das wird schon gut hinkommen.

Dominik: Ja.

Persönlichkeitsstörungen ein Zeichen der Zeit

Patricia: Mir fällt auf, die letzten Jahre in den großen Konzernen: Es dürfte mehr werden. Denn die Märkte haben sich verändert. Die ganzen Märkte sind einer Veränderung unterzogen; das Internet… ist alles schneller geworden, es ist alles schnelllebiger geworden. Und das hat ganz, ganz andere Erfordernisse, als vor 20 Jahren; wenn ich da eine Unternehmensberatung gemacht habe, waren die Erfordernisse ganz anders, als sie es heute sind. Dort waren’s mehr die heroischen Führungskräfte, jetzt sind’s mehr die narzisstischen Führungskräfte.

Dominik: Kurze Frage dazu, weil du gesagt hast, die Schnelllebigkeit der Zeit: Das interessiert mich wirklich. Glaubst du, dass das eine Sache ist? Also, wird man als Psychopath oder Narzisst geboren? Also ist das jemand schon mit, weiß ich nicht, 20 oder so? Oder kann das auch quasi an äußeren Umständen liegen, dass sich jemand zu so etwas hin entwickelt?

Patricia: Da gibt’s unterschiedlichste Thesen dazu. So wie… wir haben vor Kurzem ein Treffen mit unseren Wissenschaftlern gehabt… und wir haben wirklich an Bord Top-Wissenschaftler, Internationale, die mit uns arbeiten; ich leite eine wissenschaftliche Gruppe, was Emotionen und das Verhalten von Menschen betrifft. Und da haben wir sehr intensive Gespräche gehabt.

Narzisst / Psychopath – angeboren oder anerzogen

Natürlich gibt’s bestimmte Anlagen, aber du könntest jetzt, zum Beispiel, ein Psychopath sein und brichst aber nie aus, weil es nie einen Trigger gab, also eine Trigger-Situation da war. Zum Beispiel: Du hast eine vollkommen normale, behütete Kindheit und nichts in dieser Kindheit löst diese Psychopathie oder hochgradigen Narzissmus aus.

Dein kleiner Bruder oder deine kleine Schwester aber ist einem Pädophilen aufgesessen oder sonst irgendwem noch aufgesessen, dem wurde Gewalt angetan; das Kind wurde missbraucht. Der hat einen Trigger erlebt und da kann, zum Beispiel, etwas ausbrechen. Das kann sich dann steigern unter Umständen.

Es gibt kein wirklich ganz eindeutiges Bild. Es gibt viele unterschiedlichste Ausgangssituationen. Tatsache ist, dass wir mit diesen Menschen konfrontiert sind, und das mehr und mehr – also wirklich zunehmend – und ich denke schon, dass die Schnelllebigkeit unserer Zeit, die Marktveränderung, der Druck, der kommt: Also diese Formen von Stress, wie man sie heute hat, hatte man früher nicht. Also es gab immer Stress, aber die Form des Stresses verändert sich auch. Bei dieser Schnelligkeit…

Dominik: Die Leute haben mehr Druck und rasten dann auch mehr aus und plötzlicher…

Patricia: Ja, man muss immer da sein; man muss ein E-Mail innerhalb von kurzer Zeit beantworten. Früher hast du schon ein paar Tage gebraucht, bis du einen Brief retour geschrieben hast; du hast es gefaxt: Es war für alles etwas mehr Zeit.

Also dieser Zeitfaktor ist nicht da. Und Narzissten im Unternehmen an Führungsspitzen zu haben, ist grundsätzlich eine gute Geschichte, wenn sich der Narzissmus – oder sagen wir so, wenn der Narzissmus eine bestimmte Grenze nicht überschreitet.

Die Grenze, wie deine Abweichung – wir, in unseren Gesprächen, reden immer viel über Abweichungen von Normalverhalten – und das ist da auch wirklich eine hochgradige Abweichung von einem narzisstischen Verhalten. Da wird’s dann problematisch.

Dominik: Was wäre das zum Beispiel? Gib uns mal ein Beispiel. Also, ich lerne jetzt jemanden kennen… Weil, ich habe, zum Beispiel, einmal gehört, dass du den «guten Psychopathen» nicht mehr erkennen kannst ab einem gewissen Lebensalter, weil er sich so gut tarnt und ich weiß nicht, ob das stimmt…

Patricia: Ja.

Dominik: …dass er, sozusagen, keine richtigen Emotionen hat, sondern sie eher abkupfert von anderen und wie ein Schauspieler agiert. Stimmt das? Oder ist das Blödsinn?

Patricia: So ist das. So Psychopathen – ich will jetzt nicht ins Detail gehen – aber Psychopathen haben ihre eigene Gehirn-Konzeption, die haben bestimmten Areale, die ein – unter Anführungszeichen – «Normalo» hat, nicht so wie wir. Ein Psychopath hat diese Form von Angst nicht, wie wir sie empfinden. Der hat auch diese Form von Schuld und von Reue nicht. So: Wenn ich jetzt einem Psychopathen gegenüber sitze oder auch vertraue … Wenn ich einem Psychopathen gegenübersitze, der hat alle diese Dinge nicht: Schuld, Reue, Treue, Trauer, Scham. Da kannst du davon ausgehen, dass er eigentlich empathielos ist.

Dominik: Das heißt, das ist das, was den Psychopathen charakterisiert? Er ist empathielos. Das heißt, er sticht dich da rein und spürt genau nichts.

Patricia: Außer Lust vielleicht.

Dominik: Ja.

Patricia: Lust ist beim Psychopathen schon ein Thema.

Dominik: Also, sie hat er schon.

Gemeinsame Zeit mit Psychopathen fühlt sich gut an

Patricia: Meistens Psychopathen, Narzissten haben oft, wie soll ich es sagen, eine sehr lustige Libido auch. Also Lust kommt auf allen Ebenen wirklich dazu.

Also der sitzt da, der lügt dich an und ich könnte jetzt, als Profiler, wenn ich nur von den äußeren Merkmalen her gehe, wie wir vorher gesagt haben – Mimik, Gestik, Körpersprache, Sprache, Stimme – nichts erkennen, weil keine emotionale Regung und weil kein Stress dahinter steht. Also der lügt mir einfach etwas vor, ohne mit der Wimper zu zucken. Und Psychopathen, als auch hochgradige Narzissten, haben die Gabe, bei ihrem Gegenüber sofort herauszufinden, was der super gut kann, aber auch alle Schwächen und alle wunden Punkte, die filtern die heraus, die haben eine Gabe dafür.

Und der erzählt dir alles, was du hören willst oder was du dir zu hören gewünscht hast, was du noch nie jemandem gesagt hast. Und du denkst dir: „Wo war er die ganze Zeit in meinem Leben? Den hätte ich schon gebraucht…“

Dominik: Das heißt, es fühlt sich gut an, mit einem Psychopathen Zeit zu verbringen?

Patricia: Es fühlt sich so was von gut an. Das fühlt sich gut an, weil der Psychopath blendet. Ob jetzt Narzisst oder Psychopath – der Psychopath blendet, der spielt dir etwas vor. Psychopathen können durchaus… es gibt gescheite Psychopathen und es gibt weniger gescheite Psychopathen. Aber ich kenne sehr viele Psychopathen, mit denen ich Gespräche geführt habe, aus wissenschaftlichen Gründen, also im Zuge meines Kriminologiestudiums, die sehr intelligent waren, die belesen waren, die charmant waren.

Und dann passiert es. Bei dir geht es um Beziehungen. Nehmen wir mal eine Beziehung her. Was ist denn klassisch? Ein Date. Der lädt dich zum Essen ein, der lädt dich aber nicht in ein normales Restaurant ein, der lädt dich in ein ganz besonderes Restaurant ein…

Dominik: Das dir entspricht, womöglich auch…

Patricia: Das dir entspricht oder etwas, was du dir gewünscht hast, oder etwas, das du in deinem Leben noch nicht hattest. Und du kommst dann hin und dann steht auch schon ein Rosenstrauß am Tisch und du bist total überrascht: Der hat für dich Rosen anliefern lassen. Und dann kommt er…

Dominik: Kennt womöglich noch genau deine Lieblingsblume und so weiter…

Patricia: Wahrscheinlich. Wenn er eine Möglichkeit hatte, es herauszufinden, dann wird er es herausgefunden haben. Der wird sich weltmännisch zeigen. Er wird so sein, wie du dir den Traumpartner vorstellst. Der dockt voll…

Dominik: Das heißt, das ist besonders gefährlich.

Patricia: Ja. Der dockt komplett bei dir an

Dominik: Ok, was tue ich?

Patricia: Bitte?

Dominik: Was tue ich? Ich meine, ich hab´ das Problem nicht, weil meine hätte sich schon als Hackenmörderin entpuppt… mittlerweile… hoffentlich. Aber was tue ich? Ok, das heißt, ich bin super verliebt in einen Mann oder eine Frau… und ja, genau, gibt’s dann einen Unterschied? Gibt’s mehr männliche oder weibliche Psychopathen und Narzissten?

Patricia: [hustet] Entschuldigung. Ich bin davon überzeugt, dass es genauso viele weibliche gibt, aber die agieren dunkler als…

Dominik: Jesus, na! Okay.

Patricia: Die agieren noch dunkler. Also im Narzissmus-Bereich, Frauen machen das einfach viel geschickter. Männer sind viel härter, viel offensichtlicher; Frauen agieren noch hinterhältiger. Aus dem Hinterhalt heraus. Das machen Psychopathen auch, aber Frauen immer noch ein Stückchen mehr. Und der Punkt ist dann, die machen dich dann verliebt. Die spielen so mit dir, die wickeln dich so um den Finger, die binden dich so ein, dass du diesen Menschen nicht mehr los haben willst. Und wenn du dann wirklich verliebt bist, und so wie die Fliege im Spinnennetz – Öko-Traumfänger nennt man es –

Dominik: Ja.

Patricia: …im Öko-Traumfänger hängst, wie die Fliege, und zappelst, dann beginnt das Spiel. Das Spiel ist kein nettes Spiel. Das kann wirklich zu einem bösen Spiel werden, das kann ein vollkommen pervertiertes Spiel werden. Das muss man wirklich mal sagen. Da geht’s wirklich um pervertierte Manipulation oft. Der Psychopath, der bleibt ja im Dunkeln. Der wird nie in der Öffentlichkeit, wenn da eine Runde sitzt, jetzt die Partnerin – oder umgekehrt, wenn es eine Psychopathin ist, den Partner – vor anderen heruntermachen. Das macht der Psychopath nicht. Denn der agiert sehr subtil in der Öffentlichkeit. Die Öffentlichkeit merkt das nicht und du, wenn du sein Opfer bist, wenn du dran bist, du merkst es genau: an dem Blick, an der Art und Weise, wie er dich anschaut, dass er es jetzt wieder hat.

Und du hängst drin, du bist eingesponnen in dem Kokon und du kommst nicht mehr raus. Und dies sind so die Fälle, die ich habe, wo Menschen zu mir kommen und sagen: „Frau Staniek bitte, helfen Sie mir. Ich sitze hier einem Narzissten auf.“ Bei Narzissten ist es viel leichter, es zu merken. Weil, da gilt das Prinzip: mein Haus, mein Boot, mein Auto und meine vielen Frauen mit meiner lustigen Libido. Die zeigen sie gerne, sind oft in der Öffentlichkeit unterwegs, der Materialismus ist ihnen sehr, sehr wichtig. Der braucht das beste Handy, der braucht das beste Auto. Ob er das Benzin für das Auto zahlen kann, ist vollkommen egal. Er geht eh am Wochenende zu Mama oder zu Oma und borgt sich das Geld aus dafür. Hauptsache ist: Er kann nach außen etwas von Status …

Bin ich ein Narzisst

Dominik: Ich wollte jetzt gerade fragen. Also, ich geb‘ zu, mir ist Status auch wichtig, oder vor allem, schöne Dinge zu haben. Woran erkenne ich jetzt den Unterschied zwischen jemandem, der sich gerne mit schönen Dingen umgibt, der gerne das Beste hat, und jemandem, der narzisstisch ist? Wo ist die Grenze?

Patricia: Du hast ein sehr, sehr schönes Haus…

Dominik: Ja.

Patricia: …in dem ich heute das erste Mal bin, vorgefahren bin; meinem Haus auch sehr, sehr ähnlich, auch von der Bauweise. Ein Narzisst wäre herausgekommen und hätte mir sofort erzählt, wo er dieses Gartentor gekauft hat und dass es extra für ihn gemacht wurde …Und die Treppen und das ist aus diesem Grund so und so angelegt und der Boden ist von diesem Baum und importiert worden über siebzehn Stellen. Er erzählt dir Stories dazu.

Dominik: Also jemand, der viel angibt?

Patricia: Der sehr viel angibt, dem es ganz wichtig ist, auch das herauszuhängen zu lassen.

Dominik: Ja.

Patricia: Ich bin bei dir hereingekommen und du hast mit keinem Wort erwähnt: „Ich habe ein schönes Haus, ich habe schöne…“, überhaupt nicht. Für dich ist es einfach. Und für mich ist es auch so: Ich habe ein schönes Haus und ich genieße es…

Dominik: Verstehe ich. Dann brauche ich mir keine Sorgen machen. Okay, gut. Wollte einfach wissen, ob ich ein Psychopath bin.

Patricia: Naja, du wirst das schon wissen, wenn du ein Psychopath bist…

Erkennt ein Psychopath seine Störung

Dominik: Der Psychopath weiß, dass er ein Psychopath ist?

Patricia: Viele. Ja, viele Psychopathen wissen das schon und denen ist ihr Verhalten oft auch bewusst. Die wissen, dass sie offensichtlich von einem Standard abweichen, weil sie es von anderen gespiegelt bekommen, weil sie es hören. Für sie selber ist die Welt ja eh in Ordnung.

Dominik: Ja klar.

Patricia: Aber sie merken halt von der Menge her, von der Masse her: Die Masse verhält sich anders, die Masse würde so etwas nicht ok finden. Und der Psychopath agiert eher aus dem Hinterhalt heraus, der agiert nicht offensichtlich.

Wenn ich Keynotes halte, spreche ich oft, wo 2000, 3000 Leute drinnen sind und dann frage ich immer: „Wer ist denn hier ein Psychopath?“ Und dann zeigen immer ein paar auf und dann sage ich: „Sie sind garantiert nicht der Psychopath. Sie sind maximal der Narzisst, weil Sie jetzt im Mittelpunkt stehen wollten…“ Das ist so schön der Unterschied: Der Psychopath würde nicht die Hand heben und sagen: „Ich bin der Psychopath.“ Der Narzisst hebt die Hand…

Dominik: …und möchte…

Patricia: …damit er eine Chance hat, wieder in den Mittelpunkt zu kommen. Er zeigt sich gern. Narzissten im Unternehmen, zum Beispiel, die erkennt man sofort. Also da ist der Anzug wichtig, und dass er neu ist und dass er top ist und vom besten Jungdesigner ist, dass das Handy super ist. Der hört sich wahnsinnig gern reden, der ist überhaupt das Ultimo von allem. Der ist grundsätzlich der Beste: Wenn jemand redet, spricht er oder sie und das sehr anhaltend; Meinungen von anderen gelten nicht. Narzissten darfst du keine Kritik geben, denn das hält er nicht aus, dann kommst du auf die Blacklist oder auf die Watchlist, da bist du irgendwann einmal dran. Wenn du da einen Fehler machst und in der falschen Form oder überhaupt kritisierst oder Feedback gibst, dann kann sich das in einer Spirale auftun, dass du da schwer wieder rauskommst…

Dominik: Aber das heißt, der Narzisst ist nicht wirklich gefährlich und ich könnte mir vorstellen, dass…

Patricia: Narzisst kann sehr gefährlich sein.

Dominik: Kann doch?

Patricia: Kann sehr gefährlich sein, ja.

Narzissten in Unternehmen

Dominik: Aber, bevor wir das beantworten, an der Unternehmensspitze ist er vielleicht gar nicht mehr so schlecht, weil er gut da steht.

Patricia: Ja, das könnte sein.

Dominik: Aber wahrscheinlich nich so sehr zum Wohl des Unternehmens, sondern eher zum Eigenen.

Patricia: Zum Wohl des Unternehmens schon.

Dominik: Ja.

Patricia: Aber natürlich auch zum Eigenen. Weil, wenn das Unternehmen gut funktioniert, dann bekommt er wieder das, was er ganz, ganz dringend braucht: Anerkennung…

Dominik: Aufmerksamkeit, Bedeutung…

Patricia: Er hat die Bedeutung, genau, Status, Macht.

Dominik: Hunderttausend Likes auf Facebook.

Patricia: Genau. Das ist ganz, ganz wichtig, scheinbar für die Leute, wie viel Likes sie haben.

Dominik: Das ist aber eine narzisstische Maschinerie. Also, wenn ich mir jetzt anschaue: Instagram und ich weiß nicht was… Jeder sammelt Likes und „Gefällt mir“s und versucht, seinen Online-Avatar da möglichst gut darzustellen. Das fördert das ja auch. Wir erziehen Narzissten.

Patricia: Ja, auf jeden Fall. Wir geben ihnen einen Nährboden noch dafür. Und was die Leute, die in der Dienstleistung sind, nicht kapieren: Je mehr sie auf Facebook sind, umso mehr zeigen sie den anderen, dass sie zu wenig Arbeit haben. Und es heißt auch nicht, wenn ich jetzt 20.000 Followers habe, dass ich 20.000 Kunden habe. Ich habe lieber 5000 Follower und…

Dominik: Die kaufen.

Patricia: Und die kaufen. So ist es.

Dominik: Ok, wo wird ein Narzisst gefährlich? Was ist gefährlich an Narzissten? Weil, bei Psychopathen ist es, glaube ich, im Volksmund jedem klar: „Um Gottes Willen! Ein Psychopath, der wird gefährlich.“

Patricia: Ja, Psychopath wird oft mit Serien-Killer verbunden. Und natürlich, ein Serien-Killer ist ein Serien-Killer und der muss noch kein Psychopath sein. Aber es gibt natürlich auch Psychopathen, die Serien-Killer sind. Beim Psychopathen merkst du es vielleicht dann, wenn du gerade in Dosen verpackst wirst oder im Keller aufs Regal geschichtet wirst, dass du einem aufgesessen bist. Oder du merkst das, wenn du dann mit ihm alleine bist, wenn du ihm so quasi schon gehörst, dass er das Spiel mit dir treibt.

Bei Narzissten in Unternehmen ist es so, dass die wirklich auch in Unternehmen ganz, ganz pervertierte Vorgangswesen haben.

Dominik: Zum Beispiel?

Patricia: Dass die Mitarbeiter destabilisieren. Das Erste ist immer so: Man destabilisiert, ja? Man bringt die Leute auf, man verunsichert sie komplett, man diskriminiert sie, man hebt sie hoch, man lässt sie fallen, man gibt ihnen Verantwortung, die man im selben Moment wieder…

Dominik: Also es geht sehr viel um Macht dabei.

Patricia: Es geht total um Macht. Es geht auch um Machtmissbrauch, das muss man klar aussprechen. Es gibt wirklich pervertierte Strategien, die da gefahren werden, bis hin zum Selbstmord von Mitarbeitern; also nicht nur Selbstmord, sondern ganz viel Burnout.

Dominik: Und auch in Beziehungen, nehme ich an. Wenn das ein Mann mit einer Frau macht oder eine Frau mit einem Mann, ist es das Gleiche.

Patricia: Und natürlich, keine Frage, auch in Beziehungen. Das ist dann gefährlich und man merkt es, wenn ich in ein Unternehmen reingehe und gehe in eine Abteilung von einem Narzissten und die Leute sind irgendwie so: „Ha! Wir sind so die Besten!“, auch so schein-harmonisch jubeln, aber gleichzeitig fühlst du eine Ohnmacht, wenn du hineingehst.

Sie repräsentieren so auch ihre Narzissten durch dieses „Wir sind so gut, wir sind so super“, aber gleichzeitig spürst du diese tiefe Ohnmacht – und Unmacht auch, die sie ummantelt, weil sie einfach agieren. Sie agieren zum Zwecke, zum Wohle…

Dominik: …des Narzissten?

Patricia: …des Narzissten. Die können da gar nicht raus.

Dominik: Oder der Narzisstin?

Patricia: Oder der Narzisstin, ja. Das heißt, die werden so eingewogen und so eingesponnen und so unter Druck gesetzt und so bearbeitet und so manipuliert, dass die einfach funktionieren. Weil, was will der Narzisst? Er will Karriere machen und das um jeden Preis und mit ganz wenig Arbeit. Die Arbeit müssen die anderen tun.

Dominik: Ach, ok.

Patricia: Menschen werden dafür missbraucht, ihn nach oben zu heben und ihn oben zu halten. Und das können die wirklich gut. Und wenn es noch in einem Normalo-Bereich ist – ich kenne viele narzisstische Vorstände, für deren Unternehmen ich arbeite – ist ein normaler Bereich noch, wo ich sage: Diese Form von Narzissmus ist gut, den kann ich nach außen gut präsentieren. Das passt super. Aber wenn Menschen zu leiden beginnen, dann gehören solche Narzissten-Herde wirklich neutralisiert. Die gehören aus dem Unternehmen…

Dominik: Wollte ich gerade sagen: feuern. Sowohl aus der Beziehung, als auch aus dem Unternehmen…

Narzissten in Beziehungen

Patricia: Mit Beziehungen ist das sehr gefährlich und das ist ja das Thema bei dir. Ich habe früher eine Kundin gehabt, die ist zu mir gekommen: eine blitzgescheite Frau, verheiratet. Hatte einen Lover und der Lover war hochgradiger Narzisst. Und die Dame war mehrere Jahre komplett gefangen in dieser Narzissten-Beziehung. Sie ist nicht nur psychisch gequält worden, sie ist auch physisch gequält worden, sie hat ganz, ganz viele Arztbesuche gehabt und konnte ihrem Mann kaum erklären, warum sie ständig blau ist, warum sie verletzt ist.

Sie hat’s einmal geschafft, ihn für drei Tage zu verlassen und dann ist sie wieder angekrochen gekommen im wahrsten Sinne des Wortes, weil er gesagt hat: Wenn du bei der Tür herein willst, dann kriechst du am Boden und bei der Tür herein und wirst den Boden ablecken bis zu mir her. Und das hat sie gemacht. Und das war keine dumme Frau, sondern wirklich eine hochintelligente, sehr, sehr gebildete Frau. Sie hatte nur ein Problem: Sie war verliebt. Sie war in diesem Fallstrick drinnen. Und das ist eine besondere – scheinbar, eine besondere Form der Liebe, die ich gar nicht nachvollziehen kann, denn ich denke mir: „Wie würde ich reagieren, wenn mir jemand sagt: Du kriechst jetzt am Boden und leckst ihn ab?“ Also…

Dominik: Ich glaube, das aber sowas sukzessive ist. Das ist so wie die Abhängigkeit von einer Droge oder so. Du wirst sukzessive anhängig gemacht.

Patricia: Genau!

Dominik: Und je weiter du sozusagen deinen Standard oder dich selbst erniedrigst, irgendwann bist du dann eh schon unter der Tür. Jetzt, ok. Also den Narzissten: Das erscheint mir relativ leicht, ihn zu erkennen – zumindest von dem, was du jetzt gesagt hast. Ich glaube, das kann man nachvollziehen. Also, was da sozusagen augenscheinlich wird.

Wie werde ich einen Psychopathen los

Was tue ich beim Psychopathen? Also den Narzissten loswerden, feuern, aus der Beziehung, aus dem Unternehmen…

Patricia: Professionelle Hilfe.

Dominik: Professionelle Hilfe, um dich dabei zu unterstützen. Also du bist jetzt kein Loser, wenn du, sozusagen, so einer Sache aufsitzt…

Patricia: Genau.

Dominik: …sondern ist eh hilfreich, sich Hilfe zu suchen. Wie ist es beim Psychopathen? Woran erkenne ich den Psychopathen? Erkenne ich den erst, wenn es zu spät ist oder was?

Patricia: Du erkennst es dann, wenn eine Handlung dir gegenüber passiert. Du wirst die Handlung in der Öffentlichkeit meistens nicht nachweisen können. Und da sitzen zehn Leute am Tisch und du sitzt mit deinem Psychopathen da. Und der Psychopath spielt mit dir ein Spiel, ohne dass der andere das weiß. Es geht nur durch Blicke, indem er dir etwas sagt oder deutet es dir an. Dann kriegen das die anderen nicht mit. Und wenn du etwas sagst, wenn du etwas wagst, wird er das so darstellen, als wenn du die Verrückte wärst im Prinzip und so: „Geh‘, bitte, jetzt hast eine Paranoia“ oder so. Also der dreht dann alles um, was von dir kommt.

Dominik: Also so wie ein Parasit, der sozusagen Besitz ergreift von dem Insekt und das dann lenkt sozusagen. Also er benutzt dich als Vehikel sozusagen.

Patricia: Genau. Der lenkt das total. Wenn du dich in der Öffentlichkeit zu wehren beginnst und sagst: „Schau, jetzt spielst du dieses Spiel schon wieder mit mir. Du hast mich gerade abgewertet. Du wertest mich total ab.“ Dann würde er zu den anderen sagen: „Es tut mir leid, dass sie jetzt wieder so hysterisch ist. Ich glaube, sie hat ein bisschen zu viel getrunken.“

Also das heißt, der dreht das dann komplett in der Öffentlichkeit um, aber er vermeidet tunlichst, es in der Öffentlichkeit überhaupt zu tun. Nur wenn ihn die Partnerin oder Partner dazu zwingt, dann agiert er, dreht’s aber geschickt um. Zu Hause wirst du es natürlich eher merken.

Dominik: Das heißt, das Umfeld vom Psychopathen wird möglicherweise auch sagen: „Na geh‘! Der ist doch total nett. Rege dich bitte nicht auf…“

Patricia: „Der ist so lieb.“

Dominik: „Der ist so lieb.“

Patricia: Der ist so lieb, so charmant und irgendwann glaubt dann auch das Umfeld, dass du paranoid bist.

Dominik: Und das heißt, der Betroffene selber fragt sich dann selber auch: „Na, spinne ich jetzt oder sind es die anderen? Was stimmt nicht mit mir?“

Patricia: Man gibt sich dann auch selber die Schuld und das ist das Problematische daran. Und das ist ganz, ganz wichtig, mehr und viktimologisch – also im Opferschutzbereich – zu machen, sich um die Opfer zu kümmern, weil, die nehmen dann wirklich Schuld auf sich und die glauben dann das auch: „Weil ich so geschaut habe, ist er jetzt so zu mir“, ja?

Zu Hause ist es klar, offensichtlich. Da macht er das auch, der dreht dir da auch jedes Wort um und sagt: „Bist schon wieder so hysterisch? Was heulst denn schon wieder? Lass mich doch in Ruhe!“

Dominik: Also, das ist ganz interessant, jetzt wo du das sagst. Denn ich erinnere mich jetzt so an ein paar Beziehungen, wo ich auch unterstützt habe, und die Frau – in dem Fall waren’s immer die Männer – wo der Mann genau dieses Spiel gespielt hat und ich frage mich jetzt gerade: „Ja, würde ich das jetzt schon… könnte man schon eindeutig den als Psychopathen bezeichnen?“ Aber das ist genau die Nummer: „Sehen Sie? Und jetzt regt sie sich schon wieder auf“ und so weiter, wo der versucht sogar auch noch den Therapeuten, wo er sich auf die Couch setzt und sozusagen so tut: „Na, mit mir ist alles okay, sie ist…“

Patricia: Also viele schaffen es, sogar den Therapeuten auf die falsche Spur zu locken. Nur ich bin auch nicht jemand, denn ich bin keine Psychologin, ich bin Profilerin und Kriminologin, würde ich auch nicht behaupten: Da sitzt ein Psychopath. Ich würde das definieren und sagen: Das ist für mich ein psychopathisches Verhalten. Und das müssen wir jetzt abklären, ob da wirklich ein Psychopath dahinter steckt oder nicht, aber auf jeden Fall sind Handlungen da, die sehr oft wirklich pervertiert sind.

Dringend professionelle Hilfe suchen

Dominik: Gut. Das heißt, wenn ich sowas spüre als Betroffener oder Betroffene, dann, was tue ich? Ich suche mal dann professionelle Hilfe?

Patricia: Ja. Wenn du es erkennst und das ist das Schwierige. Weil das Problem bei den Opfern ist, dass die Opfer ja die Schuld bei sich selber suchen.

Dominik: Klar.

Patricia: Und die lieben ja auch.

Dominik: Und wollen das vielleicht gar nicht sehen…

Patricia: Ja, die wollen das gar nicht sehen oder sie denken sich „Der hat ja auch eine gute Seite: Gestern war er wieder so lieb zu mir.“ Dann ist das schon wieder vergessen.

Dominik: Natürlich. Das ist so wie, wenn der Partner Alkoholiker oder sonst irgendwas ist oder wo du sagst bipolare Störung und all das…Die Partner werden dann nicht nur co-abhängig, sondern sie neigen auch dazu, sozusagen die schlechten Seiten von dem eher zu verbergen, auch vor dem Umfeld und so weiter. „Er hat ja eh seine guten Seiten“, so wie du sagst.

Patricia: Die sind voll getrapped. Die sitzen voll in der Falle drinnen. Die können irgendwann dann nicht mehr heraus. Die Schlinge zieht sich mehr und mehr zu…

Dominik: Aber ist das hoffnungslos?

Patricia: Es gibt viele Fälle, die hoffnungslos sind, weil sie sich nicht hinaustrauen, weil sie keine Verbündeten haben, weil, der pervertierte Typ oder die Typin, mit der sie da zu Hause sitzen, es schafft, sich mit der Öffentlichkeit zu verbünden und zu sagen: „Schau, die ist gestört. Du siehst es ja selbst: Ich bin total lieb zu der.“ Also der hat seine Verbündete rundherum. Und das ist ganz…

Zu gut um war zu sein

Dominik: Okay. Dann lass mich einen Ansatz probieren:

Patricia: Ja?

Dominik: Das heißt: Wenn am Anfang einer Beziehung etwas zu gut klingt, zu gut aussieht, sich zu gut anfühlt, möglicherweise…

Patricia: Ja. Das ist ein guter Ansatz.

Dominik: Ja? Alarmglocken schrillen lassen? Und sagen: „Ich schau es mir lieber noch genauer an?“, Zeit lassen?

Patricia: Too-Much-Syndrom.

Dominik: Too-Much-Syndrom. Das wäre jetzt die Idee, die ich gehabt hätte? Weil – so wie du gesagt hast – Also wenn etwas zu gut ist, dann möglicherweise, Vorsicht.

Patricia: Ja. Also ich nenn’s das «Too-Much-Syndrom»: alles, was zu viel ist. Wenn jemand bei mir sitzt oder ich halte irgendwo eine Keynote und nach der Keynote kommt jemand zu mir und sagt: „Frau Staniek, also ehrlich, ich himmle Sie so an und ich möchte so gern sein wie Sie“ und trägt das so dick auf, und ich denke mir: „Was will der von mir?“

Dominik: Aber das ist kein guter Psychopath, weil, ein Guter würde es wissen, dass du das nicht glaubst.

Patricia: Keine Frage. Manchmal fällt es nur unter Schleimer.

Dominik: (lacht)

Patricia: Das gibt’s natürlich auch, keine Frage. Aber dieses Too-Much-Syndrom ist immer etwas, was bei mir klingelt.

Dominik: Sehr spannend! Also, in diesem Sinne: Patricia Staniek berät euch, wie ihr euch gegen Psychopathen und Narzissten zur Wehr setzt. Und ich hoffe, ihr habt Einiges gelernt heute, aus der heutigen Session, und wenn jetzt du neu in einer Beziehung bist und dir nicht sicher bist, dann schau dir das Video vielleicht noch mal an und wenn es Fragen gibt, bitte drunter schreiben. Wir werden euch antworten und euch weiter unterstützen. Es wird viele weitere spannende Interviews mit uns geben, wahrscheinlich auch noch zu diesem Thema. Danke für das Zuschauen. Bis zum nächsten Mal. Baba.

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1 Kommentar auf "Schädliche Beziehung: Psychopathen und Narzissten erkennen – Profilerin verrät Merkmale"

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Lara-Maria
Gast
Lara-Maria
2 Monate 7 Tage her

Ich habe mal gespürt, dass in einem Narzissten NICHTS drin war. Anders kann ich es nicht beschreiben. Dort wo man sonst Persönlichkeit, Tiefe, Gefühle, Vergangenheit oder so beim Anderen spürt, war ein Gefühl von NICHTS. Es war, als wäre die andere Person nicht wirklich da. Nicht greifbar. Bis heute kann ich keine Eigenschaften von dieser Person beschreiben. Irgendwie nicht greifbar.

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