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Neuer Partner mit Kind: Wie kann das gutgehen?

Wie es klappt, wenn dein neuer Partner ein Kind hat

Hat man früher von „Familie“ gesprochen, dann wusste jeder, was damit gemeint war: Vater – Mutter – Kind(er). Heutzutage hingegen kommt das Substantiv „Familie“ kaum mehr ohne das Präfix „Patchwork“ aus. Wer also „Familie“ sagt, muss in vielen Fällen auch „Patchwork“ sagen können und wollen – so das Motto der modernen Familienplanung.

N icht selten kommt es, wenn der Partner bereits Kinder hat zu den unterschiedlichsten Problemen, weil das Patchworken einem weit mehr abverlangt, als man sich das vorher vorgestellt hat. Was sind also die großen Herausforderungen und die echten Schwierigkeiten, die einem im Patchwork Alltag begegnen? Und – noch viel wichtiger: Wie kann man mit ihnen umgehen und sie schließlich lösen:

Neuer Partner mit Kind – Patchworkprobleme lösen

Kinder des Partners ein Störfaktor?

Neulich habe ich ein Gespräch zweier Frauen mitverfolgt, die sich über ihre Erfahrungen mit der Männerwelt ausgetauscht haben. Ein Aspekt der Konversation, hat mich nachhaltig beschäftigt: Die eine meinte entsetzt flüsternd zur anderen: „Der einzige Haken an ihm: Er hat Kinder! Zwei Stück!“ Darauf zog die andere die Augenbrauen hoch und meinte bemitleidend: „Man kann eben nicht alles haben!“

Der personalisierte Haken an der romantischen Geschichte waren also die beiden Kinder des Traumprinzen. Was macht es so schwierig, den/die Freund/Freundin auch als Elternteil nicht gemeinsamer Kinder zu akzeptieren und woran liegt es, dass die Kinder des Partners oft als Belastung oder Härteprobe gesehen werden?

1. Die Mutter bzw. der Vater der Kinder = die Ex bzw. der Ex des neuen Partners

Wer kennt sie nicht, die Schauergeschichten über Ex-PartnerInnen? Kaum jemand in meiner Praxis, der nicht zumindest eine Horrorstory erzählen könnte, in der die Hauptprotagonisten „Ex“ heißen. Der Grund, warum viele Menschen vor einer Partnerschaft mit einem Elternteil zurückschrecken, ist darum auch der Gedanke, sich mit einem Ex auseinandersetzen zu müssen. Denn ein Ex-Partner mit dem man ein Kind (oder mehrere) hat, ist naturgemäß einer, der wesentlich präsenter ist als einer, mit dem einen nach einer Trennung höchstens noch die Erinnerung an vergangene gemeinsame Zeiten oder ein Teil des Freundeskreises verbindet. Das gemeinsame Kind feiert Geburtstage, hat einen Klavier-Vorspielabend oder ein Fußballspiel, feiert ein Schulfest oder später dann Lehrabschluss, Matura, Universitätsabschluss oder Hochzeit – alles Gelegenheiten, von denen man weiß, dass der oder die „Ehemalige“ dabei auch anwesend sein wird. Und nur in den aller seltensten Fällen sind das unkomplizierte und angenehme Begegnungen.

Das Hauptproblem dabei ist Eifersucht: entweder die Eifersucht des Ex, der sich unangemessene Bemerkungen nicht verkneifen kann, oder die Eifersucht des neuen Partners auf die Kindsmutter bzw. den Kindsvater. In jedem Fall sind das Konfrontationen mit unangenehmen Gefühlen, die man deshalb automatisch zu vermeiden versucht. Ein weiterer Fakt, der hinzukommt, ist der Umstand, dass Kinder immer eine lebhafte Erinnerung an die ehemalige Beziehung sind. In dieser an sich abgeschlossenen Partnerschaft gibt es sehr häufig noch Ungeklärtes und je mehr Emotionen mit im Spiel sind, umso komplizierter ist die Situation. Das kann für einen neuen Partner enorm schwer sein, sich in dieses bereits vorhandene Gefüge einzufinden bzw. sich mit seiner Rolle darin abzufinden.

Wer einen Partner mit Kind “kauft“, kauft unweigerlich auch den oder die Ex mit. Es gilt Lösungen zu finden mit denen alle Beteiligten möglichst gut leben können.

Wie stark die Probleme mit dem Ehemaligen des Liebsten/der Liebsten zusammenhängen, zeigt eine Umfrage, in der die Befragten angegeben haben, sie würden weit weniger Probleme mit Kindern aus einer früheren Beziehung des neuen Partners haben, wenn das jeweilige andere Elternteil dazu nicht mehr da wäre – also wenn es weit weg im Ausland wohne oder gar verstorben sei. Weil man dann viel eher als Ersatz-Elternteil für die jeweiligen Kinder fungieren kann, nicht mit deren echter Mama bzw. deren echtem Papa konkurrieren muss und der Ex/die Ex der neuen Liebe auch nicht im Weg steht.

Fallbeispiel: Moni (Name geändert) schildert ihren Kummer: „Ich weiß, dass man das nicht laut sagen kann, weil es verpönt ist, so etwas zu empfinden, aber ich bin rasend eifersüchtig auf die Tochter meines neuen Freundes. Sie sieht aus wie ihre Mama und durch sie verbindet mein Freund etwas Besonderes mit dieser anderen Frau, die er ja auch ständig und regelmäßig sehen muss. Ich mag die Kleine sogar, aber es wäre etwas völlig anderes, wenn ihre Mutter nicht mehr auf der Bildfläche stünde. Das klingt ganz schrecklich, aber wäre sie tot, dann würde das Kind ja bei uns wohnen und ich wäre wie ihre Mama für sie und es wäre nicht dauernd die Ex meines Freundes präsent – dann hätte ich kein Problem damit. Aber so weiß ich nicht, wie ich das machen soll und wie ich meine Eifersucht auf die ehemalige Familie meines Freundes loswerden soll. Ich kann ja nicht mal sicher sein, dass sie ihn nicht zurück haben will! Vielleicht wäre es besser und einfacher, wenn wir auch ein Kind miteinander hätten, aber so ist die Mutter seiner Tochter nicht nur seine Ex-Frau, sondern auch die Mutter seines Kindes, wodurch sie einen ganz speziellen Status hat, während ich einfach nur „die Neue“ bin. Das lassen mich auch seine Eltern spüren, die zur Ex natürlich einen guten Draht haben und mich als neue Freundin nicht für voll nehmen. Es geht mir wirklich schlecht mit der Situation – so schlecht, dass ich oft überlege, ob ich die Beziehung beenden und ihn aufgeben soll, weil es mich so belastet.“

Wer innerlich so verletzt reagiert und sich in seiner unfreiwilligen Rolle derart unwohl wie Moni fühlt, sollte sich professionelle Unterstützung holen, damit die Beziehung nicht scheitert – denn das muss keineswegs sein!

Fallbeispiel: Noch schlimmer ist es, wenn der/die Ex intrigiert oder die neue Beziehung sabotiert, wie Lisa-Marie (Name geändert) es erleben musste: „Die Ex meines Freundes ist ein echtes Luder. Der gemeinsame Sohn lebt bei ihr, sie und mein Freund wechseln sich mit den Wochenenden ab und zusätzlich ist der Kleine, der sechs Jahre alt ist, jeden Mittwoch bei uns. Und immer, wenn sie weiß, dass mein Freund und ich ein Wochenende wegfahren wollen, um mal romantisch zu zweit zu sein, wird sie plötzlich krank, weshalb wir dann kurzfristig Jakob nehmen müssen, oder aber sie muss auf einmal wegfahren – ganz überraschend – und wir müssen auf ihn aufpassen, wodurch wir wieder keine Zeit füreinander haben. Außerdem redet sie schlecht über mich, und das sowohl im alten, gemeinsamen Freundeskreis, in dem ich deshalb auch keinen Anschluss finde, weil mir niemand eine Chance geben will, als auch bei ihren ehemaligen Schwiegereltern, die Jakob vergöttern und mich hassen, weil ich in deren Augen der Auslöser für die Trennung war. Dass mein Freund schon lange nicht mehr glücklich war, interessiert sie eher wenig, und seine Ex sowieso nicht, für die ich die Verkörperung des Bösen bin, weil ich ihr den Kindsvater weggenommen habe.“

Wenn Entwicklungsaufgaben liegen geblieben sind, und offensichtlich noch vieles im Argen ist, ist es notwendig den neuen Partner in die Verantwortung zu nehmen und ihn zu bitten mit der Ex und/oder auch den eigenen Freunden und Eltern zu reden, damit man das alles nicht alleine tragen muss.

Professionelle Hilfe und ein Paarcoaching können bei Konflikten mit dem/der Ex helfen, die einzelnen Bereiche zu besprechen und gemeinsam eine Lösung aus der schwierigen Situation zu finden. Auch für denjenigen, der die Kinder in die neue Beziehung gebracht hat, ist es meist enorm schwierig alles zu schaukeln und jedem im Familiensystem gerecht zu werden.

2. Keine Akzeptanz von Seiten der Kinder

Ein weiteres und häufig auftretendes Problem ist, wenn Kinder gegen den neuen Partner rebellieren oder ihn sogar gänzlich ablehnen. Viele meiner Klienten berichten mir, dass sie sich manchmal wie der Feind im eigenen Haus fühlen, weil die Kinder des Partners ihnen das Leben richtiggehend zur Hölle machen. Kinder können durchaus grausam wirken – vor allem, wenn sie sich unfair behandelt fühlen oder aber das Gefühl haben, dem anderen Elternteil gegenüber loyal sein zu müssen.

Typische Situation: Eine Frau mit zwei Kindern verlässt ihren Mann und beginnt ein neues Leben mit einem anderen. Ihr Ex-Mann liebt sie allerdings noch und kämpft weiterhin um ihre Gunst, weshalb er beginnt, den neuen Freund, der für ihn ja Kontrahent und Konkurrent gleichermaßen ist, vor ihr und den Kindern schlecht zumachen. Der Neue ist auch nur ein Mensch und ärgert sich über die Attacken des Ex-Partners seiner Lebensgefährtin und hat infolgedessen auch nicht vorrangig freundliche Worte für und über ihn übrig. Das Ergebnis: Die Kinder vertreten ihren Papa und machen dem Neuen das Leben schwer, wo es nur geht – denn ihr (aus ihrer Sicht durchaus nachvollziehbares) Ziel ist es, die Eltern wieder zusammenzubringen. All das geschieht häufig unbewusst und läuft auch nicht immer gleich ab. Grundsätzlich ist beobachtbar, dass immer dann, wenn einer aus dem System ausgeschlossen wird, andere für ihn Partei ergreifen und intervenieren. Dieser Umstand trübt das idyllische Beisammensein mit dem neuen Freund, denn niemand kann sich wirklich entspannen, wenn die eigenen Kinder unglücklich oder unzufrieden sind.

Fallbeispiel: Solche Gegebenheiten belasten eine Beziehung massiv, wie Marios (Name geändert) Fallbeispiel zeigt. Er erzählt: „Meine Freundin hat zwei Kinder von zwei verschiedenen Männern. Das findet schon mal meine Mama nicht besonders cool, aber ich habe ihr gesagt, dass sie das mal meine Sorge lassen soll. Nun ist es aber zusätzlich so, dass ich die Kids nicht besonders gut leiden kann, weil sie ziemlich verzogen und vorlaut sind. Ich kann mich da aber nicht gut einmischen, weil mich dann meine Freundin anfährt, es seien nicht meine Kinder und ich hätte ihnen nichts zu sagen. Das Schlimmste für mich ist aber, dass auch ich den Kindern nicht gerade sympathisch sein dürfte. Als die Kleinere von beiden letztens meinte, ob nicht die neue Freundin vom Papa und ich ein Paar werden könnten, damit Mama und Papa wieder zusammenkommen, war ich richtig gekränkt, weil es mir gezeigt hat, dass sie mich und die Neue des Vaters als Hinderungsgrund dafür sieht, dass ihre Eltern nicht mehr zusammenleben. Da hat sie mir dann auch irgendwie leidgetan, weil sie als Kind ja im Grunde nichts dafür kann. Ich aber doch auch nicht!“

3. Scheu vor zu viel Verantwortung

Ein weiterer Grund, kalte Füße zu bekommen, wenn man sich in jemanden verliebt, der bereits Kinder hat, ist die Verantwortung. Ganz nach dem Motto „Es reist sich besser mit leichtem Gepäck“ wollen viele nicht in die Rolle der Stiefmutter oder des Stiefvaters schlüpfen, weil diese auch mit Verantwortung verbunden ist. Viele meiner Single-Klienten sagen dazu auch: „Wenn ich selbst ein Kind in die Welt setze, ist das etwas anderes, denn dann hab ich es mir bewusst so ausgesucht und mich für diese Verantwortung entschieden, aber so hat das ja eigentlich nichts mit mir zu tun, also wie komme ich dazu?! Das sind ja fremde Kinder für mich!“

Vor allem nach einer schwierigen Phase oder einer tragisch gescheiterten Beziehung sehnen sich viele nach Freiheit und Unbeschwertheit, wollen die Zeit mit ihrem Partner alleine und ungestört verbringen, also auch Zweisamkeit genießen – und da kann es vorkommen, dass Kinder einfach gar nicht ins Programm passen: Ihretwegen muss man die Aufmerksamkeit des Partners teilen, seine eigenen Bedürfnisse zurückschrauben und sich damit abfinden, dass man meistens mit einer ganzen halben Familie zusammen ist und nicht nur mit einer Einzelperson. Das bedeutet im schlimmsten Fall, eine komplette Familie zu enttäuschen oder sich auch von einer ganzen Familie trennen zu müssen, wenn man die Kinder erst einmal liebgewonnen hat und es mit dem Partner aber nicht funktionieren sollte.

Sobald Kinder im Spiel sind, die man kennt und auf die man sich einmal eingelassen hat, wirken diese auf die gesamte Beziehung ein – ob man will oder nicht. Sehr häufig kommt es vor, dass der kinderlose Partner eine besonders innige und gute Beziehung zum Kind seines Partners aufbaut und sich die Eifersucht und den Zorn des leiblichen Elternteils zuzieht. Eifersüchtige oder grollende Ex sehen es nicht gern, wenn ihr eigener Sprössling den neuen Partner vom Ex allzu toll findet.

Fallbeispiel: Die gewonnene Nähe zu fremden Kindern kann auch dazu führen, dass man schwerer geht, wenn es in der Beziehung nicht mehr passt, wie Andreas (Name geändert) erzählt: „Ich bin jetzt seit eineinhalb Jahren mit einer Frau zusammen, die eine inzwischen vierjährige Tochter hat. Ich habe einen echten Narren an der Kleinen gefressen und auch ohne meine Freundin viel Zeit mir ihr verbracht. Sie hat keinen guten Kontakt zu ihrem leiblichen Papa, der schon vor mir durch seine Abwesenheit geglänzt und seine kleine Familie kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter verlassen hat. Und so hat die kleine Laura von Anfang an um meine Liebe und Aufmerksamkeit gebuhlt. Nun ist es so, dass es zwischen ihrer Mama und mir einfach nicht mehr funktioniert. Ich kann sie aber nicht verlassen, weil ich weiß, wie sehr ihr Kind an mir hängt. Eine echt vertrackte Situation!“

4. Ego als Hinderungsgrund

Vor allem bei Liebesangelegenheiten ist uns unser Ego besonders gerne im Weg. Zu wissen, dass man nicht die Erste oder der Erste ist, der mit dem Partner die Erfahrung teilt, gemeinsame Kinder zu haben, kann für unsichere Menschen immens schmerzhaft sein.

Auch hier spielt der Ex-Aspekt eine Rolle, man spürt, dass Kinder zwei Menschen als Eltern ein Leben lang verbinden. Besonders Menschen mit geringem Selbstwert kommen meist schwer damit klar, dass der Liebste oder die Liebste mit jemand anderem bereits Kinder in die Welt gesetzt hat. Ego in Kombination mit Eifersucht macht der glücklichen Patchwork Familienzeit gerne einen Strich durch die Rechnung – vor allem wenn sich eine Frau oder ein Mann nicht “gut genug“ oder in Konkurrenz mit dem Ex-Partner / der Ex-Partnerin ihres Partners fühlen, reagieren sie verletzt auf die Existenz der Kinder, die für sie ein ständiges „Mahnmal“ der vorherigen Beziehung sind.

5. Unangemessene Rollenverteilung

Oft bekommt der neue Partner eine Rolle zugewiesen, die ihm nicht gebührt. Angenommen die Stiefmutter versucht den Platz der leiblichen Mama einzunehmen, indem sie diese übergeht oder verachtet, so kann das zu massiven Konflikten innerhalb des Familiensystems führen! Der neue Partner ist kein Ersatz-Elternteil, selbst dann nicht wenn die leibliche Mutter/der leibliche Vater komplett aus dem Leben der Kinder verschwunden ist – den leiblichen Eltern gebührt selbst im Fall, wenn sie verstorben sind, Würdigung und ein besonderer Platz im Leben ihrer Kinder. Neue Partner der Eltern sind als zusätzliches Mitglied der Familie zu betrachten und auch als solches zu behandeln.

Werden die leiblichen Eltern nicht geachtet (unabhängig davon wie sie sich verhalten haben oder welches Schicksal sie hatten) oder übernimmt das Stiefelternteil einen Platz der ihm nicht zusteht, dann führt das zu Konflikten. Die Herabsetzung leiblicher Eltern ist eine Hypothek auf das Glück der Patchwork Familie und macht sich bei den Kindern im Selbstwert und dem Verhalten bemerkbar.

Umgekehrt sollte es nicht so sein, dass man mit den Kindern einerseits zusammenlebt, für die Kinder aus voriger Ehe sorgt und kocht, sie abzuholen hat oder mit ihnen Hausaufgaben macht, ihnen aber andererseits verweigert bei der Erziehung mitzureden. Nur Pflichten, aber keine Rechte – hier fehlt der Ausgleich!

Fallbeispiel: Antonia (Name geändert) schildert ihre Sicht auf die Dinge: „Ich fühle mich insgesamt überrumpelt. Ich habe es mir nicht ausgesucht, mich ausgerechnet in einen Mann mit Kind zu verlieben – keine meiner Freundinnen hat dieses Los gezogen, aber mir ist es passiert. Nun habe ich versucht mich zu arrangieren, merke aber immer mehr, wie wenig Platz für meine Bedürfnisse und meine Wünsche ist. Es fühlt sich an als hätte mein Freund bildhaft gesprochen ein Puppenhaus gebaut, in dem sein Kind sitzt und auch die Ex – denn es ist ihm wichtig, dass die auch noch eine große Rolle spielt – und ich kann jetzt nach seinen Regeln und Regieanweisungen mitspielen oder eben nicht. Dass die Kleine zwar wie ein Engel aussieht, aber ein echter Fratz ist, Sprüche wie „Alles tanzt nach meiner Pfeife!“ von sich gibt und regelmäßig in der Nacht rein platzt, wenn ihr Vater und ich sexuell zur Sache kommen möchten, sich in der Früh zu uns ins Bett legen möchte, was mir unangenehm ist, weil es zu viel Nähe mit einem an sich fremden Kind ist, und mich mit ihren Frechheiten und ihrer Sturheit regelmäßig zur Weißglut bringt, ist nichts, worüber ich mit meinem Freund wirklich reden kann. „Mein Gott, sie ist halt ein Kind!“, sagt er dann nur. Am schlimmsten ist es allerdings für mich, dass ich sie zwar vom Ballett abholen darf und gut genug dafür bin, ihr bei den Hausübungen zu helfen, ihr aber keinerlei Grenzen aufzeigen darf. Mal abgesehen davon, dass ich es hasse, im Kreise einer für mich fremden Familie Weihnachten feiern zu müssen, was bedeutet, dass ich wie der Trottel außen vor bin und zur Krönung dann noch ein Foto von meinem Mann mit dessen Ex und ihrem gemeinsamen Kind machen darf, auf dem ich nicht mit drauf sein soll, weil die Prinzessin sich einbildet, nicht nur mit Mama und Papa Weihnachten zu feiern, sondern auch nur Fotos von sich mit Mama und Papa als Erinnerung haben möchte. Was mit mir ist, wie ich mich fühle, welche Rolle ich in dieser Patchwork-Familie habe, interessiert keinen. Ich frage mich, ob das besser wird, wenn wir auch ein Kind haben – obwohl nicht mal fix ist, dass wir eines bekommen, weil mein Mann Angst hat, seiner Tochter damit zu viel zuzumuten und vielleicht ein echtes Trauma aufzuhalsen, wenn sie nicht mehr die Nummer eins und die Einzige ist.“

Wenn es Dir in Deiner Beziehung ähnlich geht, solltest Du Dir unbedingt professionelle Hilfe holen, um diesem Dilemma zu entkommen.

6. Alles schon Mal dagewesen

Fallbeipiel: An dieser Stelle möchte ich etwas ausführlicher von einer meiner Klientinnen berichten, die meine Unterstützung in Anspruch genommen hat. Eva 26 Jahre alt und Bernhard 39 (Namen geändert) sind seit knapp zwei Jahren zusammen. Die beiden wohnen seit einem Jahr in seiner Wohnung und haben seit geraumer Zeit grobe Probleme und Streits miteinander – vorrangig wegen seiner Kinder. Mit seiner Ex-Frau Patricia hat Bernhard zwei Kinder: ein Mädchen und einen Buben. Nach der Trennung ist er in der ehemals gemeinsamen Wohnung geblieben, während sich Patricia mit den Kindern ein neues Zuhause gesucht hat. Die Kinder kommen alle zwei Wochen über das Wochenende zu ihrem Papa. „Der Klassiker!“ könnte man also sagen.

Eva fühlt sich mit allem komplett unwohl: Der erste Faktor, der sie stört, ist die Wohnung. Die Tatsache, dass er mit seiner Ex und den Kindern in genau dieser Wohnung gelebt hat, belastet sie gehörig. Sie wünscht sich einen Neustart und den Aufbau eines gemeinsamen Heims. Bernhard aber ist Eigentümer der Wohnung und will deshalb (v.a. aus pragmatischen und Kostengründen) nicht ausziehen. Eva sieht das zwar ein, es hilft ihr aber nicht gegen ihr Unbehagen. Ein weiterer Streitpunkt bei den beiden ist, dass die Kinder oft und gern von ihrer Mama erzählen. Das läuft konkret dann beispielsweise so ab: Eva kocht für die Kinder Spaghetti. Sarah, die Tochter, erwähnt dann mehrmals, dass ihre Mama auch toll kochen könne und die besten Spaghetti mache. Was auf den ersten Blick banal wirken mag, provoziert und kränkt Eva dermaßen, dass sie außer sich ist vor Wut. Der Hintergrund für diesen Zorn: Sie hat ständig das Gefühl mit Bernhards Ex konkurrieren zu müssen. Sie fühlt sich wie die Nummer zwei – und das, obwohl ihr Bernhard seine Liebe versichert. „Egal, was es ist – alles hat er schon mit einer anderen erlebt!“ ist hingegen das vorherrschende Gefühl bei Eva. Sie wünscht sich gemeinsame Momente und Erfahrungen, die für beide neu und einzigartig sind. Auf meine Frage hin, warum sie sich ausgerechnet in Bernhard verliebt hat, kam folgende Antwort: „Er ist reif und gebildet. Es hat mir imponiert, dass er Lebenserfahrung hat und ich mich bei ihm gut aufgehoben fühle. Ich muss auch gestehen, dass mich seine Vorgeschichte am Anfang nicht gestört hat. Erst nach und nach entstand diese Eifersucht auf sein früheres Leben. Ich weiß, das klingt lächerlich!“

Was Eva beschreibt, ist keineswegs lächerlich – das kennen die meisten Frauen, die mit Männern zusammen sind, die Kinder haben. Viele Frauen berichten davon, enttäuscht darüber zu sein, dass sie nicht die ersten sind, mit denen der Auserwählte die Erfahrungen der Elternschaft teilt. Das Thema „Kinder“ ist nun mal auch eines der intensivsten und prägendsten Erlebnisse, die Menschen haben können.

Glücklich im Patchwork

Jetzt die gute Nachricht: Es gibt Patchwork-Familien, die wunderbar harmonieren und bei denen trotz anfänglicher Schwierigkeiten die Dinge irgendwann in Ordnung kommen. Erfahrungen, Familientherapien und Statistiken zeigen, dass es auf wenige prägnante Bedingungen ankommt, damit es mit dem Partner trotz der bereits vorhandenen Kinder gutgehen kann. Damit der Haussegen nicht schief hängt und die Liebe zwischen zwei Menschen bestehen bleibt, achte auf folgende Punkte:

Den eigenen Selbstwert stärken

Wie so oft liegt des Rätsels Lösung im eigenen Selbstwert. Menschen mit geringem Selbstbewusstsein neigen vermehrt zu Eifersucht und Vergleichen, weshalb es ein wirklich wichtiger Punkt ist, am Selbstwert zu arbeiten!

Den Ex/die Ex hochhalten

Fakt ist: Du verdankst dem Scheitern der Ex Beziehung deine neue Liebe und alle Bedingungen haben dazu geführt, dass dein Partner und du einander kennengelernt und euch ineinander verliebt habt. Zu diesen Bedingungen gehört auch die oder der Ex. Bedenke: Dein Freund wäre nicht der, der er ist, hätte er nicht erlebt, was er erlebt hat. Auch wenn es sich als unmöglich zu erfüllen anfühlt, so ist es ein Schritt in die richtige Richtung, den Ex hochzuhalten und ihm dankbar dafür zu sein, was er aus dem Menschen, den man heute hat, gemacht hat.

Vor den Kindern positiv über den Ex zu sprechen, ist essentiell, da es sich ja um deren Mutter oder Vater handelt. Das ist auch der Grund, warum man den Ex unter keinen Umständen ausschließen darf! Halte dir immer vor Augen, dass die Kinder sowohl Mutter als auch Vater und damit ein Anrecht auf beide haben. Als Stiefvater oder Stiefmutter ersetzt du keinen Elternteil, sondern bist ein zusätzliches Familienmitglied. Sobald Kinder spüren, dass negative Gedanken oder Emotionen im Spiel sind, beginnen sie, Partei zu ergreifen, manipulieren zu ihrem Vorteil die Erwachsenen und/oder vertreten unbewusst den abgelehnten Elternteil.

An einem Strang ziehen

Mit dem Partner im Gespräch zu bleiben, ihn in die eigenen Ängste einbinden und ihn um Hilfe und Unterstützung zu bitten ist genauso hilfreich, wie sich gemeinsam vor Augen zu halten, dass man an einem Strang ziehen möchte, damit die Beziehung funktioniert und hält. Ihr seid ein Team und so solltet ihr auch euren Alltag leben. Dabei ist keiner der Feind des anderen, sondern der Unterstützer. „Miteinander statt gegeneinander“ sollte euer klares Motto sein!

Den Ex Partner einbeziehen

Auch mit dem Ex deines Partners an einem Strang zu ziehen und sich zum Wohle aller Beteiligten zu einigen, entspannt die Lage nachhaltig. Doch dieser Schritt kann, wenn überhaupt erst erfolgen, nachdem die Fronten der ursprünglichen Paarbeziehung geklärt wurden. Sehr häufig ist dies ohne professionelle Unterstützung ein steiniger Weg den du auch wenn es dir schwerfällt unbedingt unterstützen solltest. Ungeklärtes aus vorangegangenen Beziehungen wirkt als Hypothek auf das Neue!

Eine Entscheidung treffen

Wenn du dich fragst: „Warum tue ich mir das an? Habe ich das wirklich nötig? Will ich das wirklich ein Leben lang mitmachen?“, stellst du deine gesamte Beziehung in Frage. Das wiederum schwächt eure Partnerschaft und schafft auf Dauer Distanz zu deinem Liebsten. Vergiss nicht: Liebe ist mehr als nur ein Gefühl – Liebe ist eine Entscheidung! Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich für oder gegen etwas entscheiden muss. Entscheidest du dich für einen bestimmten Mann oder eine bestimmte Frau, dann steh dazu mit allem drum und dran oder lass es. Werde dir bewusst: „Das ist meine Entscheidung, meine Wahl, und darum nehme ich meinen Partner mit allem, was zu ihm gehört. Und zu ihm gehören auch seine Kinder!“

Grenzen erkennen und einhalten

Auch wenn Liebe grundsätzlich Grenzen überwindet, sollte man sich der eigenen Grenzen bewusst werden und sich Überforderung eingestehen. Streitigkeiten mit Kindern oder dem Ex können eine Beziehung enorm belasten. Es ist daher wichtig, in diesem Zusammenhang Grenzen zu setzen. Die können zum Beispiel lauten, dass man nicht jede Konversation mit dem Ex des Partners mitverfolgen muss. Trotz der Rolle als Stiefvater oder Stiefmutter ist es erleichternd und bringt Klarheit, den Eltern die Hauptverantwortung für deren Kinder zu überlassen und sich an den richtigen Stellen rauszuhalten.

Die eigene Geschichte schreiben

Zu guter Letzt ist es wichtig, ein gemeinsames Leben und eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Denn wer immer in die Vergangenheit blickt, verliert den Fokus aus den Augen und sieht im Hier und Jetzt nicht klar. Sich mit ehemaligen Partnern oder womöglich sogar das eigene Leben mit dem vergangenen Leben des Partners zu vergleichen, führt nur zu Frustration, Unzufriedenheit und einem Gefühl des Nachteils. Schreib darum unbedingt deine eigene Geschichte mit deinem Liebsten und richte deinen Blick ganz bewusst nach vorne, wenn du merkst, dass du wieder in alte Fallen tappst! Bei all diesen Schritten, kann (dir allein oder euch zusammen) ein Coaching gute Dienste leisten, damit euer Familienalltag reibungsloser wird und ihr eine glückliche und leidenschaftliche Liebesbeziehung auf Augenhöhe führen könnt!

Apropos neuer Partner mit Kind

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Profilbild von Dominik Borde
Dominik Borde, MSc (geb. 1971) ist einer der führenden Beziehungs-Coaches Europas und Gründer des Unternehmens Sozialdynamik mit Sitz in Wien. Der durch die International Coach Federation (ICF) zertifizierte Trainer und sein Team bieten Coaching- und Trainingsleistungen für Einzelpersonen und Paare, sowie – speziell für Führungskräfte entwickelte – Programme „Leadership 4.0“, „High Performance Coaching“ und „Executive Coaching“ an. In seiner Arbeit verwendet Borde unter anderem die von ihm entwickelte „360° Methode“ und das Konzept der „Sozialdynamik“, um die Eigenverantwortung des Einzelnen zu stärken und die Kommunikation innerhalb von Gruppen zu harmonisieren. Borde ist Autor zahlreicher Fachbücher und Videos zum Thema Beziehungsgestaltung und wird regelmäßig von internationalen Medien als Experte hinzugezogen.

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