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Beziehungspause – Sinnvoll? Oder der Anfang vom Ende?

Beziehungspause – Sinnvoll? Oder der Anfang vom Ende?

Immer öfter wechseln sich Streitereien, Schreiereien und filmreife Dramen mit kurzzeitigen Phasen der Versöhnung ab. Nicht selten passiert es, dass sich die einstigen Schmetterlinge im Bauch zu wilden Bestien entwickelt haben, die auf der einst so romantischen Liebe so lange herumtrampeln, bis sie mehr und mehr einem Scherbenhaufen gleicht.  Was tun, wenn man irgendwie nicht ohne einander, aber schon gar nicht mehr miteinander kann? Hier mein Rat für all jene, die gerade in solch einer Krise feststecken und sich die Frage stellen: Ist eine Beziehungspause sinnvoll – oder der Todesstoß für unsere einstige Liebe?

V iele Paare wissen nicht recht, ob es für ihre Liebe noch eine Chance gibt. Sie fragen sich, ob sie ihre Beziehung retten, endgültig beenden oder zur Entscheidungsfindung vielleicht eine Beziehungspause einlegen sollten. Auch Veronika, 2-fache Mutter, 34 Jahre alt und von Beruf Lehrerin, war schon seit längerem ratlos und frustriert. Sie schreibt:

Sehr geehrter Herr Borde, meine Freundin Susanne war mit einer ähnlichen Situation bei Ihnen und hat Sie mir wärmstens empfohlen. Zwischen meinem Mann Markus und mir läuft es schon seit längerem schlecht. Im Grunde lieben wir uns, im Alltag aber funktioniert unser Zusammenleben überhaupt nicht mehr. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht heftig streiten und immer öfter sprechen wir darüber, uns zu trennen. Auch unsere zwei Kinder leiden darunter. Nicht nur ihnen zuliebe, auch, weil wir die letzten acht Jahre nicht einfach wegschmeißen wollen, haben wir begonnen, uns ernsthaft Gedanken über eine Beziehungspause zu machen. Plan wäre es, zu sehen, ob wir uns genug vermissen und uns immer noch wollen, wenn wir eine Zeit getrennte Wege gehen. Ich habe allerdings Bedenken, ob das Ganze eine gute Idee ist… Was, wenn diese Pause uns nur noch mehr voneinander entfernt und wir uns dadurch erst jede Chance nehmen? Ich frage mich, ist es überhaupt möglich zueinander zu finden, wenn man sich räumlich trennt und damit ja eigentlich voneinander entfernt?
Ich dachte mir, ich befrage Sie dazu, immerhin konnten Sie ja auch Susanne und ihrem Mann weiterhelfen. Danke

Veronika

Hirn oder Herz? Kopf oder Bauch? Auf welche Botschaft soll man hören?

Eine Beziehung zu beenden, fällt den meisten Menschen schwer und tut weh. Immerhin verknüpft man doch auch viele tolle Erinnerungen an diese gemeinsame Zeit: Man verbindet viele Emotionen und hat Jahre seines Lebens investiert, sein Herzblut hineingesteckt und zahlreiche schöne Momente miteinander erlebt. Doch die Vergangenheit reicht nicht, um eine Beziehung in der Zukunft aufrechtzuerhalten und schon gar nicht, um wirklich glücklich zu sein. Hin- und hergerissen zwischen widersprüchlichen Emotionen – oft fällt es schwer, das Für und Wider einer Beziehung abzuwägen.

5 Regeln der Entscheidungsfindung:

  1. Die Liebe in einer schlechten Beziehung schmerzt und deprimiert, die Liebe in einer guten Beziehung gibt uns Freude, Energie und bewirkt romantische Gefühle.
  2. Gemeinsame Erinnerungen, Verpflichtungen oder Aufgaben sind kein ausreichender Grund, um an einer unglücklichen Beziehung festzuhalten.
  3. Kompromissbereitschaft in allen Ehren: Werde dir bewusst, was genau du im Leben erleben oder erreichen möchtest. Deine Beziehung sollte dich auf diesem Weg unterstützen, dir aber nicht im Weg stehen.
  4. Gib die Idee von der verlorenen (besseren) Hälfte auf und hüte dich vor dem Irrglauben, dein Partner/deine Partnerin sei die einzige Möglichkeit bzw. Chance für dich. Bei 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten? Sowohl du als auch dein Partner haben es sich verdient, mit jemandem zu leben, der von Herzen liebt und glücklich macht.
  5. Liebe ist ein Ort, an den du gehst, um etwas zu geben! Die beste Möglichkeit in einer Beziehung unglücklich zu sein, ist, sich permanent auf sich selbst zu konzentrieren und darauf, was man nicht bekommt. Frag dich ehrlich, ob es dir nach wie vor ein Anliegen ist, den Menschen an deiner Seite glücklich zu machen. Falls deine Antwort darauf ein “Nein” sein sollte, ist es besser, ihr trennt euch. Eine Trennung auf Zeit würde das beiderseitige Leiden nur unnötig in die Länge ziehen.

Die Beziehungspause alias „ der sanfter Ausstieg“

Aus meiner langjährigen Erfahrung als Beziehungscoach weiß ich: In den meisten Fällen wird das Argument der Beziehungspause dazu verwendet, einen sanften Ausstieg aus der Beziehung zu ermöglichen. Manche Menschen wollen ihre Partner nicht verletzen und hoffen darauf, der andere würde sich von selbst entfernen. Andere wiederum haben Angst vorm Alleinsein und wollen sich den Weg zurück in die Beziehung für alle Fälle offen halten. Man trennt sich, jedoch in der „Softversion“. Der Halb-Partner ist zwar nicht mehr unmittelbar am Alltag und Leben beteiligt, aber auch nicht ganz weg.

Abstand statt Beziehungspause

Anders verhält sich das Ganze in Streitsituationen. Hier kommt es oft zu unterschiedlichen Reaktionsmustern zwischen Frauen und Männern. SIE neigt beispielsweise dazu, nach einem Streit abzuhauen und eine Runde um den Block zu laufen, ER hingegen will die Probleme sofort aus der Welt schaffen und die Dinge bereden, bis die Luft wieder rein ist. In solchen Situationen eine Weile Abstand zu halten, kann durchaus sinnvoll sein, denn häufig braucht es die Ruhe nach dem Sturm, um sich wieder annähern zu können.
Wie lange diese Ruhe dauert, hängt vom Paar ab, hierfür gibt es keinen zeitlichen Richtwert. Der große und bedeutsame Unterschied zwischen einer Beziehungspause und einem kurzzeitigen Abstand ist, dass bei der zweiten Möglichkeit NICHT die gesamte Beziehung in Frage gestellt wird und man trotz aller Streitereien weiß, dass man zusammen sein und bleiben will.

Negative Auswirkungen der Beziehungspause auf das Vertrauen

Genau darin liegt häufig das Fatale einer Beziehungspause: Meist wünscht sich ein Partner die Pause mehr als der andere. Dieser Umstand führt zu großer Unsicherheit, Misstrauen und Stress beim Anderen, selten aber dazu, dass sich die Liebe vertiefen kann.

Eine Beziehungspause kann nur dann eine Chance für die Liebe bedeuten, wenn das Paar gemeinsam bereit ist, um diese zu kämpfen und beide sich auf die Pause als sinnvollen Abstand einigen. In diesem Fall kann die Distanz dazu beitragen, sich über die eigenen Emotionen wieder klarer zu werden und neue Wege zu überlegen, um die Zukunft der Beziehung positiver zu gestalten. In dieser Zeit des Abstands kann der Weg zum Paartherapeuten sehr hilfreich sein. Denn oft verhaken sich Paare in den immer wieder gleichen negativen Mustern und finden alleine – trotz allen Abstands – keine Lösung. Der Blick von außen durch einen unabhängigen und überparteilichen Experten wirkt oft wie ein Wunder, und Paare, die seit Jahren immer weiter auseinanderdriften, finden im Anschluss an ein Paarcoaching näher zueinander, als sie es selbst in guten Zeiten für möglich gehalten haben.

Warum Trennungen auf Zeit und Beziehungspausen die Entwicklung als Paar eher verhindern

Jede Beziehung braucht Wachstum, alles was nicht wächst, stirbt. Während einer Beziehungspause kann zwischen den Partnern nur wenig wachsen. Der Einzelne kann sich zwar in dieser Zeit sehr wohl entwickeln und auch neue Erkenntnisse für sich gewinnen, doch als Paar hat man sich dazu entschieden, in einer Krisensituation getrennte Wege zu gehen, also zu stagnieren. Die unbewusste Botschaft einer Trennung auf Zeit lautet daher: “Wenn es schwierig wird, mach ich lieber allein weiter.“

Ein Erfolgsgeheimnis glücklicher Paare ist es, gerade in schwierigen Lebensabschnitten zueinanderzuhalten und gemeinsam jene Steine aus dem Weg zu räumen, die sich ihnen in den Weg gestellt haben.

Ein Paar, das bereits 40 Jahre glücklich miteinander war, antwortete auf die Frage nach dem Geheimnis ihres Erfolgs: “Wissen Sie, wir stammen aus einer Zeit, in der man die Dinge, wenn sie kaputt waren, wieder repariert hat, anstatt sie wegzuwerfen!“

Übliche Phrasen wie: „Wir wollen schauen, ob wir uns dann mehr vermissen“ oder: „Wir werden ja sehen, ob die Liebe groß genug ist“ deuten nicht darauf hin, dass ein Paar es wirklich gemeinsam schaffen will. So auch bei Veronika und ihrem Mann Markus. So lange die beiden ihre Probleme nicht gemeinsam bewältigen und sich in Konfliktsituationen lieber aus dem Weg gehen, werden sie die Hürden ihrer Paarbeziehung niemals miteinander nehmen lernen. Dieser Entwicklungsschritt wird ihnen weiterhin fehlen. Angenommen sie entscheiden sich nach drei Monaten wieder zusammenzuleben, haben sich die Schwierigkeiten dennoch nicht in Luft aufgelöst. Die Erfahrung zeigt, ungelöste Probleme gehen nicht einfach fort, sondern klopfen so lange und immer eindringlicher an die Tür, bis sie gelöst werden. Punkt.

Die Idee der Sinnhaftigkeit von Beziehungspausen lebt von der Vorstellung, dass die Liebe etwas Passives ist und man “beobachten“ müsse, wie sich die Dinge entwickeln. Frei nach dem Motto: “Wir legen unsere Liebe dem Schicksal in die Hände“ befinden sich beide in einer Warteposition, in der sie sich von ihren eigenen Gefühlen und Emotionen „überraschen“ lassen wollen.

Das Leben zu zweit ist schön, aber nicht immer leicht

Liebe ist eine bewusste Entscheidung, die Entscheidung, mit einem Menschen einen gemeinsamen Weg zu gehen – inklusive aller Höhen und Tiefen. Niemandem wird diese Entscheidung in Krisensituationen durch das Schicksal “abgenommen”.

Entweder man entscheidet sich für – oder gegen etwas, entweder man macht es – oder man lässt es sein. Alles dazwischen ist ein zaghafter Versuch, dem es an Kraft zur Umsetzung fehlt.

Beziehungspause – Ja oder nein?

Zusammenfassend kann ich aus eigener Erfahrung – aber auch aus zahlreichen anderen Berichten – sagen, dass es Beziehungspausen in Wahrheit schlichtweg NICHT gibt. Die Beziehung geht trotzdem weiter, nur unter anderen Umständen. Ohne dem Bewusstsein zu echter Veränderung kann eine Pause nichts dazu beitragen, die Partnerschaft zu verbessern.

Befindet sich ein Paar in einer Krise und weiß nicht weiter, hilft professionelle Beratung und der Wille, es gemeinsam schaffen zu wollen. Dies bedeutet in erster Linie herauszufinden, worin die Probleme wirklich liegen, und nachhaltige Lösungen zu suchen. Wenn sich zwei Menschen unsicher sind, ob sie dies wollen, wird es wohl besser sein, eine Pause zu machen – und zwar für immer.

Apropos Erfolg

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Beziehung retten / Beziehung verbessern / Liebeskummer / Trennung

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Profilbild von Dominik Borde
Dominik Borde, MSc (geb. 1971) ist einer der führenden Beziehungs-Coaches Europas und Gründer des Unternehmens Sozialdynamik mit Sitz in Wien. Der durch die International Coach Federation (ICF) zertifizierte Trainer und sein Team bieten Coaching- und Trainingsleistungen für Einzelpersonen und Paare, sowie – speziell für Führungskräfte entwickelte – Programme „Leadership 4.0“, „High Performance Coaching“ und „Executive Coaching“ an. In seiner Arbeit verwendet Borde unter anderem die von ihm entwickelte „360° Methode“ und das Konzept der „Sozialdynamik“, um die Eigenverantwortung des Einzelnen zu stärken und die Kommunikation innerhalb von Gruppen zu harmonisieren. Borde ist Autor zahlreicher Fachbücher und Videos zum Thema Beziehungsgestaltung und wird regelmäßig von internationalen Medien als Experte hinzugezogen.

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