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Kommunikationsprobleme in der Beziehung? Vermeidet diese 6 Fallen!

Fallen

Im Folgenden findest du sechs Kommunikationsfehler, die in vielen Partnerschaften zu unnötigen Streits, ständigen Missverständnissen und mehr Distanz führen. Dabei handelt es sich um subtile Irrtümer der Kommunikation, die mit der Zeit nahezu alle Paare machen. Ständiges Kritisieren, Sarkasmus, Demütigungen und andere Formen von gegenseitigem Liebesentzug bleiben unerwähnt, sie fallen jedoch auch nicht unter die Kategorie subtil. Warum die Kommunikation mit dem eigenen Partner ihre Herausforderungen mit sich bringt und wie du aus diesen Kommunikations-Fallen wieder rauskommst.

D ass die richtige Kommunikation ein sehr wesentliches Element einer glücklichen Beziehung ist, dürfte für die Meisten kein Geheimnis mehr sein. Doch Kommunikation passiert zu 75 Prozent nonverbal, bedeutet mehr als bloße Worte und jeder von uns tickt ein wenig anders. In vielen Fällen führen mehr Worte gar zum genauen Gegenteil.

1. Drüber “sprechen“ führt zur Lösung

So gibt es Menschen, die sich nach einem Gespräch oder einem Streit, ihrem Partner wieder mehr verbunden fühlen. Dies gilt jedoch keineswegs für alle! Manche Menschen brauchen genau den umgekehrten Weg: zuerst das Verbundenheitsgefühl, um danach wieder ein liebevolles Gespräch führen zu können. In diesem Fall kann ein vorausgehendes Gespräch zu noch mehr Verletzungen oder verstörenden Reaktionen führen.

SIE denkt… „Ich brauche ein Gespräch, damit ich dich wieder spüren kann.“

ER denkt… „Ich möchte dich erst spüren, bevor ich offen mit dir reden kann.“

Fallbeispiel:

Lena und Erik haben immer dieselbe Streitdynamik: Sie sitzt bei mir auf der Couch und begreift nicht, warum ihr Mann während eines Streits davon rennt, anstatt ihr entgegen zu kommen, indem er weiter mit ihr spricht. Dieses Verhalten würde sie noch im Moment mit ihm versöhnen und aus ihrer Sicht für Harmonie sorgen. Erik hingegen sieht das völlig anders. Immer wenn es Streit gibt, verlässt er lieber die gemeinsame Wohnung, um mehr Abstand zwischen seine Frau und ihn zu bringen.

Auf die Frage, warum er das so handhabt, antwortet Erik: „Ich möchte Lena nicht noch mehr verletzen! Im Streit sagen wir womöglich Dinge zueinander, die wir im Nachhinein sehr bereuen. Also geh´ ich lieber, komm runter und bin nicht mehr ganz so emotional. Anschließend können wir uns vielleicht wieder umarmen und schließlich „normal“ miteinander sprechen.“

So geschieht es meist, dass die beiden streiten, er geht, sie enttäuscht darüber ist und bei seiner Rückkehr – anstatt seinen Versuch, sie zu umarmen, zu erwidern – lieber sein Verhalten anspricht. Dies führt erneut zu Missverständnissen und mehr Streitereien.

Ein Teufelskreis. Die Wahrheit jedoch ist, beiden ist Friede und Liebe wichtig und jeder ist überzeugt, dass sein Umgang der einzig wahre und richtige ist. Zu verstehen, dass der Partner andere Regeln hat, führt in den meisten Fällen zu mehr Verständnis.

Gegensätze ziehen sich an, es ist daher sehr wahrscheinlich, dass dein Partner anders ist und in manchen Bereichen gegensätzliche Regeln anwendet!

Wichtig: Erkenne, was dein Partner für ein Gesprächstyp ist und welche „Liebessprache“ er spricht. Für den einen zählen Taten, für den anderen Worte, für den Dritten Berührungen usw. Diese Unterschiede zu sehen und zu achten, kann ein angenehmes und produktives Gesprächsklima eröffnen.

2. Erwarten, dass dein Partner Gedanken lesen kann

Häufig erlebe ich in meiner Praxis Klienten, die empört über das Verhalten ihres Partners sind. Sätze wie: „Das muss er/sie doch wissen!!!! Wir kennen uns schon so lang… Das sagt doch der Hausverstand…. Das muss man doch sehen…. Jeder würde das verstehen, wieso versteht er/sie das nicht?“, sind Alltag in fast jeder Beziehung.

Die Wahrheit ist, ihr teilt NICHT dieselben Gefühle, Weltbilder und Gedanken. Dein Partner ist anders. Die Teller in der Abwasch, die kaputte Glühbirne, dein Bedürfnis nach einer ganz bestimmten Art und Weise Dinge anzugehen bzw. zu erledigen, bis hin zur Hausübung der Kinder, all das siehst DU, er/sie aber vielleicht nicht.

Fallbeispiel:

Karin und Andi haben zwei Kinder. Beide sind berufstätig und in ihrer Arbeit sehr eingespannt. Abends, wenn die ganze Familie zu Hause ist, ist Karin gereizt, da sie sich ständig von ihrem Mann übersehen und im Stich gelassen fühlt. Er kümmert sich aus ihrer Sicht nicht ausreichend um den Haushalt, um die schulischen Angelegenheiten der Kinder und spürt generell nicht, was ihr wichtig wäre. Dafür konfrontiert sie ihn mit Vorwürfen und Vorhaltungen. Andi fühlt sich infolgedessen stets von ihr abgelehnt und wenig wertgeschätzt, worauf er sich mehr und mehr zurückzieht. So geht das nun schon seit Monaten, die Beziehung der beiden hat spürbar darunter gelitten.

Als sich die beiden bei mir auf der Couch unterhalten, frage ich Karin, was sie konkret von Andi will. Sie antwortet: „Dass er von selbst die Dinge sieht, die zu tun sind! Und dass er spürt, was mir besonders wichtig ist, ich will es nicht immer sagen müssen!“ Darauf Andi: „Aber warum nicht? Woher soll ich wissen, was dir gerade wichtig ist und was nicht?“

Wichtig: Die Regel: “Wenn mich mein Partner liebt, weiß er, was ich will, wenn ich es allerdings sagen muss, ist es nichts wert!“ ist eine sehr harte Regel, die für den Partner kaum bis gar nicht zu erfüllen sein wird. Wenn du etwas Bestimmtes willst, sprich es klar und deutlich aus! Dein Partner kann keine Gedanken lesen und Umstände, die für dich selbstverständlich und sonnenklar sind, sieht dieser vielleicht gar nicht. Besonders Männer, aber auch Frauen, können mit subtilen Andeutungen oft nichts anfangen!

3. Ständig nachgeben, immer “Ja” sagen

Ist einer der Partner konfliktscheu und geht jedem Streit aus dem Weg, führt das auf Dauer zu Frust und Unbehagen in der Beziehung. Es dem anderen recht zu machen, ist kein Zeichen von Liebe und Verständnis. Hat einer in der Beziehung dauernd das Sagen, mündet das in einer Einbahnstraße. Die ideale Kommunikation innerhalb einer Beziehung ist eine zweispurige Straße, auf der beide Partner ihren Platz finden.

Sehr typisch ist, dass wir es, gerade am Anfang von Beziehungen, also in der Kennenlernphase, unserem Partner mehr als recht machen wollen. Aus Angst nicht genug zu sein, den anderen zu verlieren oder womöglich vor den Kopf zu stoßen, stecken viele Männer und Frauen ihre eigenen Bedürfnisse zurück und verleugnen ihre Prinzipien, nur um den anderen nicht zu verstören. Wie man sich bettet, so liegt man!

Fallbeispiel:

Herbert hat eine verheiratete Frau kennengelernt und war bereit, über einen sehr langen Zeitraum, die zweite Geige zu spielen. „Ich will ihr keinen Stress machen. Sie hat es nicht leicht mit ihrem Mann. Eigentlich liebt sie nur mich, kann aber nicht weg…“

Mit derartigen Aussagen könnte ich mittlerweile mehrfach sämtliche Wände meiner Praxis tapezieren. Eines steht fest: Verkaufst du dich unter deinem Wert und sagst nicht konkret, was du willst bzw. nicht willst, verliert dein Gegenüber den Respekt, außerdem sinkt deine Attraktivität vor dem anderen.

Ein Verhalten oder Umstände zu akzeptieren, von dem du deinem besten Freund oder deiner besten Freundin unbedingt abraten würdest, ist Selbstverrat! Und dieser lohnt sich am Ende nie!

Wichtig: Verleugne dich nicht selbst, nur um es deinem Partner recht zu machen oder einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Eine Beziehung hat dann Wert und Bestand, wenn beide Partner ihre Meinung äußern und vertreten dürfen. Alles andere führt zu Ungleichgewicht und unglücklichen Beziehungen. Wir können uns nur von einem Menschen geliebt fühlen, der uns auf Augenhöhe begegnet. Ein bedürftiger Jasager törnt uns auf Dauer ab!

4. Die Perspektive des anderen ausblenden

„Die meisten Menschen hören nicht zu, um zu verstehen, sondern um zu antworten“. -Steven R. Covey

In diesem Spruch steckt sehr viel Weisheit. Während manche Menschen bedingungslos immer und immer wieder ihre eigenen Gefühle und Meinungen fixieren – unter Psychologen auch bekannt als das „Woodpecker-Syndrom”-, bleibt dem anderen häufig nur dieselbe Wahl, oder er zieht sich komplett zurück.

Fallbeispiel: 

Angelika und Michael haben seit einigen Monaten keinen Sex mehr. Sie fühlt sich von ihm missverstanden und bedrängt, er sich von ihr vernachlässigt und ungeliebt. Die beiden führen tagtäglich Diskussionen und Streits bezüglich ihres Sexlebens, worauf sich die Lust aber nur noch mehr verringert.

Angelika wirft ihm vor: „Du bist nur noch grantig und hörst nie richtig zu! Deine schlechte Laune ist kaum mehr auszuhalten! Wie soll ich so Lust auf Sex mit dir haben? So vergeht´s mir nur!“ Michael vermisst weniger den Sex als Angelikas Begehren, er wünscht sich nichts sehnlicher als jene Zeit zurück, als er sie als Mann glücklich machen konnte. Kein Wunder also, wenn er frustriert ist und sich damit nicht wohlfühlt. Angelikas Antwort darauf ist: „Wer fragt, ob ich mich wohlfühle?“

Vor allem Angelika kommt von ihrem Standpunkt nicht weg. Als ich sie bitte, die Situation aus seinen Augen heraus zu schildern und mir zu sagen, was er WIRKLICH fühlt und möchte, verändert sich auch etwas in ihrer Gesamthaltung. Sie konnte zum ersten Mal seit langer Zeit erkennen, dass Michael nicht aus Gefühlskälte handelt, sondern aus einer tiefsten Verletztheit darüber, ihr als Mann anscheinend nicht mehr dieses Prickeln geben zu können, dass er ursprünglich mal in ihr ausgelöst hatte. Ab dem Zeitpunkt war auch eine neue Gesprächsebene mit den beiden möglich.

Gegenseitiges Verständnis für das Anderssein des Partners und die gegenseitige Vorannahme guter Intentionen schaffen  Empathie, machen manch´ harte Fronten weicher und bringen sie im besten Fall völlig zum Verschwinden.

Wichtig: Klarheit und Entspannung entsteht, wenn wir versuchen, die Perspektive und Emotionen des Partners nachzuvollziehen. Gegenseitige Empathie und Verständnis sind die besten Mittel, um auf Dauer mit dem Partner glücklich zu sein. Das ist zugegeben nicht immer leicht und bedeutet auch nicht, dass man immer mit dem Partner einer Meinung sein muss.

5. Kommunikations-Blocks

Kommunikations-Blocks können zwar in ihrer Intention durchaus positiv sein, werden jedoch vom Gegenüber meist nicht positiv wahrgenommen. Sagt eine Frau zum Beispiel: „Schatz, ich glaube, ich habe zugenommen.“, und er antwortet: „Lass mich mit deinen Hirngespinsten, das ist nicht wahr!“, führt das trotz positivem Inhalts zu einem Block des Gesprächs und gefühlter Ablehnung beim Gegenüber.

Fallbeispiel:

Alexandra und Markus ziehen in eine gemeinsame Wohnung. Sie fühlt sich von ihm permanent kritisiert und hat das Gefühl, dass ihm ihr Stil nicht gefällt. Sie erklärt: „Egal was ich will oder nicht will, mir scheint, Markus muss immer genau das Gegenteil sagen.“

Darauf Markus: „Ehrlich, das stimmt nicht. Ich will nur meine Meinung sagen dürfen! Du bist immer gleich beleidigt und fühlst dich verletzt. Soll ich etwa immer meinen Mund halten, um dich glücklich zu machen?“

Nach einiger Zeit ist klar, dass es nicht der Inhalt per se ist, den Alex stört, sondern die Art und Weise, wie er ihr seine Meinung kommuniziert. Die beiden haben erkannt, dass es sehr viele Blocks in ihren Gesprächen gibt, die das eigentliche Problem ausmachen. Folgende Beispiele haben ihnen geholfen, dies, erstens zu erkennen und zweitens zu verbessern.

Aussage: „Grün würde gut passen.“

Block… „Ich mag kein grün!“

Angebot… „Grün ist eine schöne Farbe. Mir persönlich würde grau fast noch besser gefallen.“


Aussage: „Es wird regnen.“

Block… „Nein, wird es nicht.“

Angebot… „Ja, es fühlt sich an als würde es bald regnen.“


Aussage: „Ich denke dauernd an Frühlingsrollen.“

Block… „Chinesisches Essen ist so fett.“

Angebot… „Lass uns heute Abend chinesisch essen, mir wäre nach Tofu mit Gemüse.“


Aussage: „Ich glaube ich verliere den Verstand, wie kann man so ein Idiot sein?“

Block… Gegenüber schweigt

Angebot… „Du bist alles andere als ein Idiot! Du brauchst einfach ein wenig mehr Zeit für dich.“

Wichtig: Die Angebot-Kommunikation eröffnet Möglichkeiten und stößt den anderen nicht vor den Kopf, selbst wenn der Inhalt unter dem Strich derselbe bleibt. Blocks widersprechen dem Angebot, Gegenangebote allerdings laden zur weiteren Kommunikation ein. Bemühe dich um den “Ja-Anschluss”, um  ein Gespräch aufzubauen und deinem Partner Angebote zu machen.

6. Wir sollten über unsere Probleme reden

„Schatz, wir sollten über unsere Probleme reden!“ So oder so ähnlich beginnt die fruchtlose Anstrengung vieler Paare, immer wieder das Gleiche zu tun und sich dabei ein anderes Ergebnis zu erwarten. Auch wenn viele Leute denken, sie könnten sich ihre Probleme sprichwörtlich von der Seele reden, das Ergebnis von Problemtalk führt nicht zu einem Mehr-Wert von Information, viel mehr führt es zum Gegenteil, zu Redundanz.

Wenn einer dem Anderen seine Probleme erzählt, werden sie dadurch nicht weniger! In den meisten Fällen haben beide am Ende mehr davon!

Fallbeispiel:

Franziska und Karl haben seit Jahren immer wieder ein und dasselbe Thema. Das Geld bzw. die Finanzen macht ihnen, wie sie sagen, stets das Leben zur Hölle. Immer wieder beleuchten die beiden auf die gleiche Art und Weise ihr bekanntes Problem. Am Ende sind beide jedes Mal frustriert. Sie kennt jedes Argument von ihm, er kennt jeden Vorwurf von ihr. Schon Kleinigkeiten und leichte Andeutungen reichen und ihr gewohntes Muster kommt in Gang. Anstatt endlich Abstand zu nehmen und vor dem Thema Geld und Finanzen zu kapitulieren, beginnt Franziska in guten, wie in schlechten Zeiten, immer wieder damit, einen neuen Anlauf zu wagen. Doch auch beim hundertsten Versuch scheint sich nichts zu ändern…

Wichtig:  Wenn du mit deinem Partner schon seit langem immer wieder an dem gleichen Problem scheiterst, gib es auf, darüber zu sprechen, sondern erarbeite lieber eine Lösung. Suche dir, wenn möglich, professionelle Hilfe im Umgang damit. Von allein wird es nach all der Zeit sicher nicht besser, ein unabhängiger Dritter kann sehr häufig eine neue und langersehnte Lösung bieten.

Apropos Kommunikation

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Profilbild von Dominik Borde
Dominik Borde, MSc (geb. 1971) ist einer der führenden Beziehungs-Coaches Europas und Gründer des Unternehmens Sozialdynamik mit Sitz in Wien. Der durch die International Coach Federation (ICF) zertifizierte Trainer und sein Team bieten Coaching- und Trainingsleistungen für Einzelpersonen und Paare, sowie – speziell für Führungskräfte entwickelte – Programme „Leadership 4.0“, „High Performance Coaching“ und „Executive Coaching“ an. In seiner Arbeit verwendet Borde unter anderem die von ihm entwickelte „360° Methode“ und das Konzept der „Sozialdynamik“, um die Eigenverantwortung des Einzelnen zu stärken und die Kommunikation innerhalb von Gruppen zu harmonisieren. Borde ist Autor zahlreicher Fachbücher und Videos zum Thema Beziehungsgestaltung und wird regelmäßig von internationalen Medien als Experte hinzugezogen.

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